Militärkonvoi von Libyen nach Niger

Neue Spekulationen über Gaddafis Aufenthaltsort

Während es über den möglichen Aufenthaltsort von Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi neue Spekulationen gibt, erwarten die Aufständischen nun doch eine friedliche Übernahme der Wüstenstadt Bani Walid.

Foto: dapd

Ein großer libyscher Militärkonvoi ist nach Medienberichten im südlichen Nachbarland Niger eingetroffen. Der Konvoi „mit 200 Fahrzeugen“ habe am Dienstag die Stadt Agadez erreicht, berichtete der Fernsehsender Al-Arabija unter Berufung auf Militärquellen. Arabische Sender spekulierten, dass der bisherige Machthaber Muammar al-Gaddafi mit dem Konvoi sein Land verlassen haben könnte.

Die Nato will nicht zu Spekulationen Stellung nehmen. Die Verfolgung von Mitgliedern des früheren libyschen Regimes sei keine Aufgabe der Nato, sagte ein Nato-Militärsprecher am Dienstag in Neapel. „Unser Auftrag ist es, die Zivilbevölkerung in Libyen zu beschützen – nicht, Tausende von flüchtenden früheren Regimegrößen, Söldnern, Offizieren und innerhalb des Landes vertriebenen Personen zu verfolgen oder zum Ziel zu machen“, sagte Militärsprecher Oberst Roland Lavoie.

In den vergangenen beiden Wochen seien „zwei große Konvois, die sich einer Stadt näherten, zerstört worden, weil sie eine Gefahr darstellten“. Die Leitung des Nato-Einsatzes spreche grundsätzlich nicht über Informationen durch Beobachtung und Aufklärung, sondern lediglich über die eigenen militärischen Aktionen.

Tuareg-Anführer in Konvoi

Ein Sprecher des Militärrats der libyschen Rebellen erklärte, man wisse von dem Konvoi, kenne aber keine Einzelheiten. „Es waren nicht sehr viele Soldaten. Wir glauben, es war eine Art Schutztruppe“, sagte Anis Scharif, ohne in Details zu gehen.

An der Spitze des Konvois, der am späten Montagabend in der Stadt Agadez im Norden des Landes eingetroffen war, fuhr laut dem Besitzer der örtlichen Zeitung, Abdoulaye Harouna, ein Rebellenführer vom Stamm der Tuareg, Rissa ag Boula. Der frühere Tourismusminister führte vor zehn Jahren einen Unabhängigkeitskrieg der Tuareg-Nomaden an, ehe er in Libyen Zuflucht suchte. Viele Tuareg sind Gaddafi wegen dessen Unterstützung bei deren Unabhängigkeitskrieg verbunden. e.

Gaddafi will Macht in Libyen zurückerobern

Gaddafi ist unterdes nach Angaben seines Sprechers entschlossen, die Macht im Land zurückzuerobern. „Wir sind immer noch stark und in der Lage das Blatt gegen die Nato zu wenden“, sagte Mussa Ibrahim am Dienstag. Gaddafi sei bei bester Gesundheit, er plane und organisiere die Verteidigung Libyens.

Gleichzeitig versuchten in der von Rebellen belagerten Gaddafi-Hochburg Bani Walid Stammesführer die Kämpfer des ehemaligen Machthabers zu überzeugen, ihre Waffen niederzulegen. Die Stammesältesten forderten Sicherheiten, dass es keine Racheakte an den Gaddafi-Anhängern in der Stadt geben werde, sagte Rebellen-Unterhändler Abdullah Kanschil am Dienstag.