Boetticher-Nachfolge

CDU-Spitze will Jost de Jager als Spitzenkandidat

Nach dem Rücktritt von Christian von Boetticher setzt die schleswig-holsteinische CDU-Spitze auf den Kieler Wirtschafts- und Verkehrsminister Jost de Jager als neuen Spitzenkandidaten und Parteichef.

Foto: dpa

Nach dem Boetticher-Drama soll Wirtschaftsminister de Jager die Nord-CDU aus dem Schlamassel führen. Das teilte eine Parteisprecherin am Dienstagabend nach einer Krisensitzung des Landesvorstands in Kiel mit. Das Gremium habe sich einstimmig für de Jager ausgesprochen. Auch die Kreisvorsitzenden unterstützen ihn.

De Jager würde auf beiden Posten Christian von Boetticher folgen, der wegen einer früheren Beziehung zu einer 16-Jährigen von allen Spitzenämtern zurücktrat.

Vor der Vorstandssitzung hatten mit Landtagspräsident Torsten Geerdts, Innenminister Klaus Schlie, Landesparteivize Ingbert Liebing und dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Hans-Jörn Arp bereits mehrere führende CDU-Politiker offen für de Jager plädiert. Geerdts nannte ihn „den optimalen Kandidaten“ und das stärkste Mitglied im Kabinett, Schlie sprach von einem Superminister. Schlie befürwortete außerdem, dass de Jager auch Landesvorsitzender wird.

Unterdessen gibt es mit Finanzminister Rainer Wiegard (62) einen neuen Favoriten für die Funktion des Fraktionschefs. Als weitere Namen waren zuvor auch Arp (59), Fraktionsvize Johannes Callsen (45) und Finanzexperte Tobias Koch (37) im Gespräch. Der neue Fraktionsvorsitzende wird an diesem Donnerstag gewählt.

Die Fraktion äußerte sich am Dienstag in einer kurzen Erklärung anerkennend über die politische Leistung Boettichers. Er bleibt Mitglied der Fraktion und sichert so der CDU/FDP-Koalition die hauchdünne Mehrheit von einer Stimme im Landtag.

Boetticher war wegen seiner im Frühjahr 2010 beendeten Beziehung zu der Minderjährigen von allen Spitzenämtern zurückgetreten: als Landes- und Fraktionsvorsitzender sowie als Spitzenkandidat zur Landtagswahl im Mai 2012. Er nahm am Dienstag nicht an der Sitzung der Fraktion teil. Seinen Rücktritt als deren Vorsitzender teilte der von seinem Scheitern emotional schwer getroffene Politiker den Abgeordneten vorab schriftlich mit.

Dicht bedrängt von Kamerateams und Journalisten, begann die CDU-Fraktion ihre Sitzung am Dienstagmittag mit einer Diskussion über die schwierige Lage nach dem Dilemma um Boetticher. „Die Stimmung ist natürlich gedrückt“, räumte Landtagspräsident Geerdts ein. „Das streicht eine Fraktion nicht so leicht weg.“ Der Rücktritt Boettichers sei folgerichtig und unausweichlich gewesen.

Das schwarz-gelbe Kabinett absolvierte am Vormittag seine erste Sitzung nach der Sommerpause. CDU-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen gab sich äußerlich gelassen und gut gelaunt. „Das ist eine ganz normale Kabinettssitzung mit einer ganz normalen Tagesordnung“, sagte er.

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