Schleswig-Holstein

Von Boettichers Rückzug – eine Chance für die CDU

Nicht erst die Berichte über seine privaten Vorlieben haben aus Christian von Boetticher einen nicht überzeugenden CDU-Spitzenkandidaten gemacht.

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Es ist ja nicht so, dass die CDU im Norden eine glänzende Perspektive gehabt hätte vor diesem Wochenende.

Sie hatte einen Ministerpräsidenten, Peter Harry Carstensen, der eine Zeitlang über sich hinausgewachsen war in seinem Amt. Der aber auch wusste, dass er es nun gut sein musste. Sie hat eine schwierige Neuwahl vor dem Bug, am 6. Mai kommenden Jahres. Die Umfragen verheißen da nichts Gutes.

Und sie hatte einen Spitzenkandidaten, von dem beileibe nicht alle überzeugt waren in der Partei. Der sich wieder und wieder komische Fragen stellen lassen musste wegen seiner privaten Vorlieben. Polo. Facebook. Champagner. Keine passenden Assoziationen.

Man wusste auch gar nicht so recht, ob das immer Neid war, der sich da Luft und Schlagzeilen verschaffte. Oder ernsthafte Sorge um Ruf und Zukunft der Union. Man ist da ja einiges gewöhnt im Norden.

Jedenfalls passte das schon alles nicht so recht zu Amt und Würden. Fraktionsvorsitzender, Parteichef, Hoffnungsträger. Von Boetticher sah, vielleicht sieht, sich ja selbst als einen, der die Lücke, die Merz und Koch hinterlassen haben, füllen sollte. Das dürfte – man muss nicht Moralapostel sein, um dies vorherzusehen – schwierig werden, nach diesen Berichten aus seiner Intimsphäre.

Sie haben das stetige Potenzial zur Skandalisierung, ein Geschmäckle, das am Ende nur zur Nebensache, zur vernachlässigenden Lappalie werden könnte, wenn der Betroffene auf allen anderen Gebieten unumstritten ist. Das trifft auf Christian von Boetticher nicht zu.

Er hat in den vergangenen Monaten, bei und nach seiner Nominierung nicht unter Beweis stellen können, ein Politiker zu sein, der Schleswig-Holstein, der die Republik insgesamt voranbringen könnte. Seine Reden waren zuweilen läppisch, zuweilen fahrig, manchmal sehr bemüht, nie überzeugend. Zu wenig ernsthaft. Manchmal anbiedernd.

Er war, dieses Fazit konnte man schon vor diesem Sonntag ziehen, kein wirklich überzeugendes Angebot für den Wähler. Insofern wohnt seinem gebotenen Rückzug tatsächlich noch eine Chance inne für Schleswig-Holsteins CDU.

Mit Jost de Jager steht ein Kandidat bereit, der vielleicht kein Volkstribun ist. Aber ein seriöses Angebot für den Wähler wäre er allemal.