Teenager-Affäre

Boetticher auch als Fraktionschef zurückgetreten

Nach seinem Rücktritt als Landesvorsitzender und Spitzenkandidat der schleswig-holsteinischen CDU hat Christian von Boetticher am Montagabend auch das Amt als Fraktionsvorsitzender im Landtag niedergelegt.

„Mir tut es leid um ihn.“ Peter Harry Carstensen ist tief getroffen vom politischen Ende seines Ziehsohns Christian von Boetticher. Carstensen hatte sich einen würdevollen Abschied aus der Politik ausgemalt, einen Rückzug, auf den er ebenso stolz sein wollte wie auf seine unterm Strich gelungene Amtszeit als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Der Kronprinz hat es ihm verdorben. „Er ist ein exzellenter Politiker, das bleibt“, sagt Carstensen im NDR.

Der Politiker Boetticher ist über den Privatmann Boetticher gestolpert. Nachdem die Liebesgeschichte mit einer 16 Jahre alten Düsseldorferin bekannt wurde, stellte er den Landesvorsitz und die Spitzenkandidatur für die im Mai 2012 anstehende Landtagswahl am Sonntagabend zur Verfügung. Am Montagabend legte er auch sein Amt als Fraktionschef nieder. Er wolle weiteren Schaden von sich, seinem Umfeld und seiner Fraktion abwenden, erklärte Boetticher am Montagabend in Kiel. Aufgrund des „medialen Drucks der vergangenen 48 Stunden“ sei es ihm „unmöglich“ gewesen, eine persönliche Erklärung vor der Fraktion abzugeben, erklärte der Politiker in einer schriftlichen Mitteilung. Doch sein Abgeordnetenmandat wird er behalten. Sonst würde die schwarz-gelbe Koalition im Kieler Landtag ihre Mehrheit von einer Stimme verlieren. Der Schaden für die CDU ist schon groß genug.

„Es gibt Dinge, die macht man nicht“

Es herrscht Fassungslosigkeit in der Nord-Union. Keiner will etwas gewusst, niemand etwas geahnt haben. Aber: „Es gibt unabhängig von einer rechtlichen Bewertung Dinge, die macht man einfach nicht. Ein solches Verhalten bewerten die Menschen als problematisch“, sagte der stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing Morgenpost Online. Der schnelle Rückzug sei richtig gewesen.

Zum Nachfolger als Parteivorsitzender und Spitzenkandidat dürfte am Dienstag Jost de Jager nominiert werden. Erste Sondierungsgespräche der Partei wiesen eindeutig in diese Richtung. De Jager ließ durchblicken, dass er für beide Posten zur Verfügung stehe.

Während der Affäre mit der 16-Jährigen und danach hielt Christian von Boetticher übrigens seine Beziehung zu seiner langjährigen Partnerin aufrecht. Zuletzt hieß es, er wolle die 34-Jährige heiraten. Boetticher, so sagt es ein Vertrauter, saß in einer Falle, aus der er sich nicht mehr befreien konnte. Egal, was er tat, immer hätte es Menschen gegeben, die sein Verhalten für mehr oder weniger kritikwürdig gehalten hätten.

Unterdessen schweigt Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Boetticher. Auf die Frage, ob ihm moralische Vorbehalte Merkels gegen eine solche Beziehung bekannt seien, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag, eine solche Frage stelle sich der Bundesregierung nicht. „Eine persönliche Einschätzung der Bundeskanzlerin kenne ich nicht.“