Schleswig-Holstein

Minderjährigen-Affäre - Nord-CDU-Chef vor Aus

Schleswig-Holsteins CDU-Chef Christian von Boetticher soll eine Minderjährige geliebt haben. Am Abend will er eine Erklärung abgeben. Viele rechnen mit einem Rücktritt.

Foto: dpa / dpa/DPA

Nach Spekulationen über sein Privatleben ist Schleswig-Holsteins CDU-Landeschef Christian von Boetticher parteiintern unter erheblichen Druck geraten. Am Abend will der 40-Jährige dem geschäftsführenden Landesvorstand eine persönliche Erklärung abgeben. In Kiel wird deshalb über den bevorstehenden Rücktritt des Christdemokraten diskutiert.

Nach Boetticher sehe sich dazu veranlasst, weil er sich laut CDU „mit Gerüchten und daraus resultierenden Wertungen konfrontiert sieht, die zum Teil auf Spekulationen beruhen, die seine Privatsphäre berühren“.

„Es geht um eine Beziehung vor der Zeit seiner Spitzenkandidatur zu einer Frau im Altersbereich von 16 bis 18 Jahren“, sagte Boettichers Sprecher den „Lübecker Nachrichten“. Die Beziehung sei im familiären Umfeld gut geheißen worden und „weit vor der Nominierung zum Spitzenkandidaten“ beendet gewesen.

Über Facebook kennengelernt

Laut einem Bericht der Zeitung „Bild am Sonntag“ hatte der 40-jährige Boetticher eine damals 16-Jährige aus Nordrhein-Westfalen Anfang 2010 über das Online-Netzwerk Facebook kennen gelernt. Einer ersten Begegnung im März 2010 sollen weitere Verabredungen bei ihr und bei ihm daheim in Pinneberg gefolgt sein.

Freunden erzählte Boetticher, er habe eine wirklich wundervolle Zeit mit dem Mädchen verlebt, schreibt das Blatt. Nachdem Carstensen signalisierte, bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten zu wollen, soll Boetticher die Beziehung schweren Herzens beendet haben. Ihm sei klar gewesen, zitiert die Zeitung einen Freund, dass diese ungewöhnliche Beziehung jetzt nicht länger geheim zu halten war und dass sie von der Öffentlichkeit nie akzeptiert werden würde.

Carstensen geht auf Distanz

Für die Union kommt die Affäre neun Monate vor der Landtagswahl im Mai 2012 zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst Anfang Mai hatte ein Parteitag in Norderstedt den Fraktions- und Landeschef als Spitzenkandidat vor nominiert. Offiziell sollte er Anfang November auf Listenplatz eins gewählt werden.

Boetticher gilt seit langem als Kronprinz von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Er war aber bereits vor der Affäre in Teilen der Nord-CDU umstritten. Kritiker werfen ihm mangelnde Kommunikation und Führungsschwäche vor. Boetticher trat im September vergangenen Jahres bereits als Parteichef die Nachfolge von Carstensen an.

Carstensen, der lange Zeit als Förderer Boettichers galt, ist mittlerweile offenbar von Boetticher abgerückt. Seiner Ansicht nach haben die aktuellen Vorgänge um den 40-Jährigen „mehr als eine rechtliche Dimension“. Seinem Nachfolger als CDU-Landeschef empfahl Carstensen, die richtigen Schlüsse zu ziehen.