Provinz Kandahar

Afghanische Polizisten bei Schusswechsel getötet

Die afghanischen Behörden haben die Nato für den Tod von vier Polizisten verantwortlich gemacht. Isaf-Chef John Allen wiederum bestätigte lediglich, dass die Taliban-Kämpfer, die am Samstag einen Nato-Hubschrauber abgeschossen hatten, getötet worden seien.

Die afghanischen Behörden haben die Nato-Truppe Isaf für den Tod von vier Polizisten im Süden des Landes verantwortlich gemacht. Die Beamten seien bei einem Schusswechsel in der Provinz Kandahar „aus Versehen“ getötet worden, teilten Polizei und Innenministerium am Mittwoch mit. Isaf-Chef John Allen gab unterdessen bekannt, dass die Taliban-Kämpfer, die am Samstag einen Nato-Hubschrauber abgeschossen hatten, getötet worden seien.

Nach Angaben des Innenministeriums wurden bei dem Schusswechsel am Dienstagabend in Kandahar neben den vier getöteten Beamten zwei weitere Menschen verletzt. Dem Provinzpolizeichef Abdul Rasik zufolge verwechselten die Nato-Soldaten die Polizisten mit Aufständischen. Entgegen früherer Angaben, nach denen es sich bei den getöteten Beamten um Mitglieder einer Ortspolizei handelte, die gegen radikalislamische Taliban kämpft, waren die Beamten offiziellen Angaben zufolge Mitglieder der regulären Polizei.

Ein Augenzeuge berichtete, dass während des Schusswechsels zwischen den Polizisten und den Isaf-Soldaten vier weitere Menschen verletzt worden seien. Die Isaf-Soldaten hätten diese anschließend zur medizinischen Behandlung in Sicherheit gebracht. Ein Isaf-Sprecher sagte, es sei bekannt, dass sich „ein Vorfall in der Provinz Kandahar“ ereignet habe. Die Nato und die afghanischen Behörden hätten bereits eine gemeinsame Untersuchung eingeleitet. Die afghanische Regierung hat die Nato in der Vergangenheit wiederholt für den versehentlichen Beschuss von Zivilisten kritisiert.

Unterdessen gab der Isaf-Oberkommandierende Allen bekannt, dass die Taliban-Kämpfer, die für den Abschuss eines Nato-Hubschraubers am Samstag verantwortlich gemacht wurden, von Truppen des Militärbündnisses getötet worden seien. Sie seien am Montag gegen Mitternacht bei einem Luftangriff ums Leben gekommen, sagte der US-General am Mittwoch bei einer Videokonferenz. Neben dem mutmaßlichen Schützen und einem weiteren verantwortlichen Taliban seien noch mehrere weitere Kämpfer getötet worden. Beim Absturz des Hubschraubers waren 30 US-Soldaten und acht Afghanen ums Leben gekommen.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai forderte die islamischen Geistlichen des Landes derweil dazu auf, Selbstmordanschläge mit in Turbanen versteckten Bomben zu verurteilen. Nach zwei solchen Attentaten habe der Staatschef einflussreiche Imame getroffen und sie um die Klarstellung gebeten, dass solche Gewaltanwendung gegen „islamische Werte und afghanische Traditionen“ verstoße, sagte ein Sprecher Karsais am Mittwoch. Auch wenn Bomben für Anschläge unter Burkas versteckt würden, sei dies zu verurteilen.

Darüber hinaus kündigte Karsai an, den Streit über den Ausgang der Parlamentswahl vom vergangenen September beenden zu wollen. Am Mittwoch erklärte er die unabhängige Wahlkommission des Landes per Dekret zur einzigen entscheidungsbefugten Instanz in der Auseinandersetzung über die rechtmäßige Zusammensetzung des Parlaments in der Hauptstadt Kabul. Zugleich löste er ein bislang von ihm selbst unterstütztes Sondergericht auf, das ebenfalls über den Wahlausgang richten sollte. Die Parlamentswahl war von Betrugsvorwürfen überschattet worden, woraufhin abgegebene Stimmen für ungültig erklärt und die Wahl von Abgeordneten annulliert wurde.