Startverbot

Gaddafis Jet liegt in Hamburg an der Kette

Die Lufthansa hat ein Problem: Seit Ende 2010 beherbergt sie ein Libyan-Airlines-Flugzeug, das wegen UN-Sanktionen nicht starten darf. Wer dafür zahlt, ist offen.

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Die Lufthansa Technik am Flughafen Hamburg beherbergt zurzeit einen heiklen Gast: In einer alten Lärmschutzhalle steht ein moderner Passagierjet, ein Jet vom Typ Bombardier CRJ900, der die Basis nicht verlassen darf.

Es handelt sich um eine Maschine der Libyan Airlines, die Ende 2010 in Hamburg landete, damit die Lufthanseaten Wartungsaufträge erledigen konnten. Doch seit der Aufstand im nordafrikanischen Land dort alles auf den Kopf stellte und die Vereinten Nationen (UN) Sanktionen gegen das Regime des Diktators Muammar al-Gaddafi verhängten, liegt auch der Jet in Hamburg an der Kette.

„Wir dürfen an der Maschine nicht mehr arbeiten“, bestätigte Bernd Habbel, Sprecher der Lufthansa Technik. Man warte nun ab, wie die Behörden weiter entscheiden. Unter Umständen können noch Monate oder Jahre ins Land gehen, ohne dass sich an der Lage etwas ändert.

Lufthansa hat das Problem am Hals

In Punkt 17 der UN-Sanktionen vom 19. März 2011 ist festgelegt, dass über alle Maschinen libyscher Fluggesellschaften ein sofortiges Flugverbot verhängt wird, wo immer sie auch stehen. Das trifft auch für einen weiteren 100-sitzigen Canadair-Jet des Typs CRJ900 zu, der derzeit auf dem Gelände der Lufthansa-Basis in Köln steht.

Die Flugzeuge kosten auch am Boden viel Geld. Systeme wie Avionik und Triebwerke müssen instand gehalten, Standschäden so gut wie vermieden werden. Schon jetzt würden größere Arbeiten anfallen, wollte man den relativ jungen Jet wieder flugtauglich machen.

Auch an Abstellgebühren dürfte schon einiges aufgelaufen sein. Wer am Ende die Kosten bezahlt, ist völlig offen. Nur eins ist klar: Die Flugzeuge müssen am Boden bleiben – und Lufthansa hat das Problem am Hals.

Libyan Airlines steht unter dem Einfluss der Gaddafi-Familie und soll mittelfristig mit der zweiten staatlichen Fluggesellschaft Afriqiyah zu einer Airline verschmelzen. Auch Flugzeuge der Afrqiyah waren schon in Hamburg in der Betreuung der Lufthansa Technik, darunter auch der Regierungs-Airbus 340, den Gaddafi persönlich nutzt. Er verfügt über eine luxuriöse VIP-Ausstattung und trägt das beziehungsreiche Kennzeichen 5A-ONE. Doch auch Gaddafis Nummer eins ist jetzt zwangsabgestellt.