Doktorarbeit

Uni leitet Plagiatsverfahren gegen Althusmann ein

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Foto: dpa / dpa/DPA

Der Verdacht hat sich aus Sicht der Universität Potsdam bestätigt: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) soll in seiner Dissertation abgeschrieben haben. Der Politiker konnte „die Verdachtsmomente nicht hinreichend ausräumen". Nur wird seine Doktorarbeit verschärft geprüft.

Bernd Althusmann ist weiter verdächtig, in seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben: Eine erste Prüfung seiner Dissertation hat die Verdachtsmomente nicht ausräumen können. Nun beschäftigt sich eine spezielle Kommission mit der Doktorarbeit des niedersächsischen Kultusministers.

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte eine Analyse der Doktorarbeit Althusmanns veröffentlicht: Der Politiker soll in seiner Dissertation „fremde gedankliche Leistungen auf versteckte Weise als eigene ausgewiesen“ haben, heißt es in der Analyse ( hier als Dokument im PDF-Format ). Althusmann räumte mögliche handwerkliche Fehler ein. Gegen den Vorwurf einer bewussten Täuschung wehrte er sich jedoch und schloss einen Rücktritt von seinen politischen Ämtern aus. Der CDU-Politiker hatte an der Uni Potsdam mit einer 2007 veröffentlichten Arbeit zum Thema „Prozessorganisation und Prozesskooperation in der öffentlichen Verwaltung – Folgen für die Personalentwicklung“ den Doktortitel erworben. Zu dieser Zeit war er bereits parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion in Niedersachsen.

Die Universität Potsdam teilte nun mit, dass die Vorprüfung der Dissertation abgeschlossen ist. Althusmann und sein Rechtsbeistand wurden angehört, konnten aber anscheinend nicht überzeugen: „Die Vorprüfung kommt zu dem Schluss, dass die Verdachtsmomente nicht hinreichend ausgeräumt werden konnten“, heißt es in einer Mitteilung. Darum gibt es nun ein „formelles Untersuchungsverfahren“. Das Prüfverfahren hätte lediglich dann beendet werden können wenn „sich der Verdacht nicht hinreichend bestätigt hat bzw. der Verdacht auf Grund vollständiger Aufklärung ausgeräumt wurde“, wie es in den entsprechenden „Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an der Universität Potsdam“ formuliert ist. Aber: „Beides ist hier – so das Ergebnis der Vorprüfung – nicht der Fall.“ Weil die Vorprüfung kein eindeutiges Ergebnis erbrachte, befasst sich nun die Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens mit dem Fall Althusmann.

Laut Bericht der „Zeit“ soll Althusmann anstelle von Zitaten in Fußnoten häufig unbestimmt auf andere Autoren verwiesen haben. Unstimmigkeiten fänden sich auf 88 von 114 untersuchten Seiten der 290 Seiten umfassenden Schrift. Laut Althusmann geht es vor allem um fünf relevante Stellen. Dort hat der Kultusminister etwa Anführungszeichen zu spät gesetzt oder lediglich mit der Abkürzung „vgl.“ auf eine Quelle verwiesen, die er wörtlich übernommen hat. „Nach meinem damaligen Kenntnisstand bin ich davon ausgegangen, das alles korrekt ist“, sagte der 44-Jährige und fügte hinzu, dass es bei der Kritik an seiner Arbeit wohl auch um die wissenschaftliche Auseinandersetzung über die korrekte Zitierweise gehe. Bislang gebe es keinen „einheitlichen Standard für Zitierweisen an deutschen Universitäten“. Dennoch gab er zu, dass er wohl „Flüchtigkeitsfehler beim Überprüfen der Quellen“ gemacht habe.

Einen Rücktritt von seinen politischen Ämtern schloss Althusmann erst einmal aus. „Es wird keine einfache Zeit, aber weglaufen gilt nicht“, sagte er. Auch in einem Gespräch mit Ministerpräsident David McAllister (CDU) hätten beide zusammen entschieden, dass diese Zeit nun durchgestanden werden müsse.

Plagiatsvorwürfe wurden bereits gegen mehrere Politiker erhoben, darunter auch gegen den CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg, der wegen seiner in weiten Teilen abgeschriebenen Doktorarbeit vom Amt des Verteidigungsministers zurücktreten musste. Aus ähnlichen Gründen wurden den FDP-Politikern Silvana Koch-Mehrin und Georgios „Jorgo“ Chatzimarkakis ihre Doktortitel aberkannt, ebenso wie dem Waiblinger CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Pröfrock.

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