Dürrekatastrophe

Bund hofft bei Afrika-Nothilfe auf Privatspenden

Mehr als 11 Millionen Menschen leiden unter der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten in Äthiopien, Kenia, Somalia und Dschibuti. Die Unicef warnt vor einer weiteren Verschärfung der Dürre. Zur Linderung hat die Bundesregierung ihre Soforthilfe um fünf Millionen Euro aufgestockt, Großbritannien um weitaus mehr.

Angesichts der Hungersnot in Ostafrika haben Großbritannien und Deutschland ihre Nothilfe für die Region erhöht. London kündigte am Samstag eine Aufstockung der Hilfsmittel um 52 Millionen Pfund (59 Millionen Euro) an, indessen die Bundesregierung mitteilte, fünf Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnte vor einer weiteren Verschärfung der Lage in den kommenden Monaten.

Die Situation verschlechtere sich und sei besonders dramatisch in Somalia, wo die Menschen bereits mit den Problemen des Bürgerkriegs konfrontiert seien, sagte der britische Entwicklungsminister Andrew Mitchell. Die internationale Gemeinschaft müsse nicht nur für die Flüchtlinge mehr tun, sondern auch die in Somalia verbliebenen Dürreopfer stärker unterstützen. Dem Minister zufolge sind die Hilfsmittel von 59 Millionen Euro zur Versorgung von mehr als einer Millionen Menschen in Somalia, Äthiopien und Kenia bestimmt.

Täglich kommen laut UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) Tausende von Flüchtlingen in den bereits völlig überfüllten UN-Flüchtlingslagern in Äthiopien (Dollo Ado) und Kenia (Dadaab) an. Die meisten seien nach tagelangen Märschen vollkommen erschöpft, ein großer Teil der Kinder sei unterernährt und brauche dringend Hilfe. Über 11 Millionen Menschen litten unter der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten in Äthiopien, Kenia, Somalia und Dschibuti.

Die zusätzliche deutsche Soforthilfe in Höhe von fünf Millionen Euro, die zur Hälfte vom Auswärtigen Amt und vom Bundesentwicklungsministerium gestellt werden, sollten vor allem für die Notversorgung von Flüchtlingen sowie Frauen und Kindern in den besonders betroffenen Gebieten verwandt werden, erklärten Bundesaußenminister Guido Westerwelle und Entwicklungsminister Dirk Niebel (beide FDP).

Die Minister appellierten zugleich an die deutsche Bevölkerung, die Hungernden auch mit privaten Spenden zu unterstützen. Von der Hungersnot und humanitären Katastrophe in Ostafrika seien vor allem Flüchtlinge, Frauen und Kinder betroffen. Insgesamt beläuft sich die Nothilfe des Bundes für die Region nun auf 8,6 Millionen Euro.

Unicef-Direktor Anthony Lake warnte unterdessen vor einer weiteren Verschärfung der humanitären Lage. Da der nächste Regen frühestens im Oktober falle und erst im kommenden Jahr wieder eine Ernte zu erwarten sei, würden die kommenden sechs Monate sehr hart, warnte Lake in Kenia. Er befand sich auf dem Weg in die von der Dürre besonders betroffene Provinz Turkana im Norden des Landes. Nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam stieg dort in der Bevölkerung der Anteil der Unterernährten seit vergangenem Jahr von 15 auf 37 Prozent.

In Somalia, Äthiopien, Kenia, Dschibuti und Uganda sind wegen einer seit zwei Jahren anhaltenden Dürre mehrere Ernten ausgefallen. Steigende Lebensmittelpreise und Unterernährung sind die Folge. Verschärft werden die Probleme durch den Bürgerkrieg in Somalia. Allein im Juni flohen nach UN-Angaben rund 54.000 Menschen vor der Dürre und der Gewalt aus dem Land am Horn von Afrika, täglich treffen hunderte weitere Somalier im Norden Kenias ein. Mehr als elf Millionen Menschen sind in Ostafrika auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, doch von den dafür benötigten 1,1 Milliarden Euro hat die UNO bislang erst die Hälfte erhalten.

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