Neue Demonstrationen

17 Tote bei landesweiten Protesten in Syrien

Bei den bislang größten Protesten von Regimegegnern seit Beginn des Aufstandes in Syrien sind am Freitag mindestens 17 Demonstranten von Sicherheitskräften getötet worden.

Foto: dapd / dapd/DAPD

In Syrien sind bei erneuten landesweiten Protesten gegen Präsident Baschar el Assad nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 17 Demonstranten erschossen worden. Allein in der Hauptstadt Damaskus seien neun Demonstranten getötet worden, sagte Abdel Karim Rihawi von der syrischen Menschenrechtsliga. Landesweit gingen nach Angaben eines anderen Aktivisten weit mehr als eine Million Menschen auf die Straße.

Sechs Menschen seien im Hauptstadtviertel Kabun ums Leben gekommen, als die Sicherheitskräfte das Feuer auf eine Demonstration von rund 20.000 Menschen eröffneten, sagte Rihaui. Drei weitere wurden demnach in dem Stadtteil Rukn Eddin getötet. Augenzeugen zufolge versammelten sich an der Moschee El Hassan im Viertel Midan rund 7000 Menschen. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana teilte dagegen mit, „bewaffnete Männer“ hätten auf Polizei und Zivilbevölkerung geschossen. Die Regierung macht seit Beginn der Proteste nicht näher benannte „bewaffnete Gruppen“ für die Gewalt verantwortlich.

Sicherheitskräfte feuern auf Demonsten

Nach Angaben Rihawis wurden am Freitag in der Stadt Idleb im Nordwesten des Landes bei der Auflösung einer Demonstration drei Menschen erschossen. Auch in der südsyrischen Stadt Daraa, wo die Proteste vor genau vier Monaten ihren Ausgang nahmen, hätten die Sicherheitskräften zwei Demonstranten getötet. Andere Aktivisten sagten, in Duma, einer Vorstadt von Damaskus, seien drei Menschen erschossen und 40 weitere verletzt worden, als die Sicherheitskräfte das Feuer auf eine Demonstration von 35.000 Menschen eröffneten.

Allein in der Ölstadt Deir Essor im Nordosten des Landes und in der Protesthochburg Hama seien mehr als eine Million Menschen auf die Straße gegangen, um den Sturz der Regierung und die Freilassung aller politischen Gefangenen zu fordern, sagte Rami Abdel Rahman von der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. „Es ist eine bedeutende Entwicklung und eine Botschaft an die Regierung, dass die Proteste immer größer werden.“

Nach Angaben von Augenzeugen kam es auch in Homs, Aleppo und Rakka sowie einer Reihe kleinerer Städte zu Protesten. In Homs und der Stadt Kiswe seien jeweils 15 Menschen durch Schüsse der Sicherheitskräfte verletzt worden, sagten Oppositionsaktivisten. Wie jeden Freitag seit Beginn der Proteste Mitte März hatten Oppositionsaktivisten auf der Facebook-Seite „Syrian Revolution 2011“ zu Demonstrationen nach dem Mittagsgebet aufgerufen. Nach Angaben Rahmans wurden 1419 Zivilisten und 352 Sicherheitskräfte getötet.

In Hama fehlen Lebensmittel und Medikamente

In Hama kam es zu einer der größten Demonstrationen, an der sich nach Angaben eines Aktivisten viele Menschen aus nahegelegenen Dörfern beteiligten. Die viertgrößte Stadt des Landes ist eine Hochburg der Opposition. Weil Hama weiter von Soldaten belagert werde, fehlten Medikamente und Lebensmittel, sagte der Aktivist. Krankheiten breiteten sich aus, da in den vergangenen zwei Wochen kein Müll mehr entsorgt worden sei.

Die syrische Opposition hat ihre Freitagsproteste den Zehntausenden gewidmet, die seit dem Beginn des Aufstands Mitte März festgenommen wurden. Aktivisten zufolge werden noch immer 15.000 Menschen festgehalten. Bei der blutigen Niederschlagung des Aufstandes sind nach Angaben von Menschenrechtlern bislang etwa 1.600 Menschen getötet worden. Die Regierung hat die Zahlen zurückgewiesen und macht unter anderem eine ausländische Verschwörung für das Blutvergießen verantwortlich.