Mumbai

Ermittler haben noch keine Spur von Attentätern

Nach der Anschlagsserie in der indischen Finanzmetropole Mumbai mit 17 Toten suchen Polizei nun fieberhaft nach den Drahtziehern. Gleichzeitg nahm die Regierung die indischen Geheimdienste in Schutz. Sie hätten vor den Anschlägen keine Warnhinweise erhalten.

Nach der Anschlagsserie im westindischen Mumbai ist der Terrorakt international verurteilt worden. US-Präsident Barack Obama sprach von „abscheulichen Angriffen“, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte Indien in der Nacht zum Donnerstag die Solidarität Deutschlands im Kampf gegen den Terrorismus zu. Bei drei koordinierten Bombenanschlägen während des Feierabendverkehrs am Mittwoch waren 17 Menschen getötet und 131 weitere verletzt worden.

„Menschenverachtende Gewalttäter werden Indien nicht vom Weg der Demokratie und des friedlichen Zusammenlebens abbringen“, erklärte Merkel. „Meine tiefe Anteilnahme gilt denen, die durch diesen Terrorakt Angehörige oder Freunde verloren haben.“ Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Anschlagsserie und forderte, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Obama bot der Regierung in Neu Delhi die Unterstützung der USA bei der Suche nach den Attentätern an. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, die Anschläge seien darauf ausgelegt gewesen, „Angst und Spaltung“ zu säen. „Diejenigen, die sie begangen haben, müssen wissen, dass sie keinen Erfolg haben werden.“

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Anschläge in Mumbai „auf das Schärfste“. Der Terrorismus sei „eine der gravierendsten Bedrohungen“ für Frieden und Sicherheit auf der Welt, erklärte der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig in New York. Deutschland führt in diesem Monat turnusgemäß den Vorsitz des Sicherheitsrats. Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zeigte sich in einer Erklärung empört über die „feigen“ Attacken in der indischen Metropole. Großbritanniens Außenminister William Hague kondolierte Indien für die Opfer dieser „bedauernswerten Terrorakte“.

Kritik an Sicherheitskräften und Geheimdiensten

Unterdessen wurden am Donnerstag Vorwürfe gegen die indischen Sicherheitskräfte und Geheimdienste laut geworden. Der indische Innenminister Palaniappan Chidambaram verteidigte diese jedoch. Die Geheimdienste hätten vor den Anschlägen keine Warnhinweise erhalten, sagte er auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. „Wer auch immer für diese Angriffe verantwortlich ist, hat sie auf sehr geheime Art und Weise vorbereitet“, sagte Chidambaram.

Die Polizei verfolge verschiedene Ansätze und gehe allen Hinweisen nach. „Wir deuten zu diesem Zeitpunkt nicht mit dem Finger auf jemanden“, sagte Chidambaram. „Wir müssen jede mögliche feindliche Organisation überprüfen und herausfinden, wer hinter den Bombenanschlägen steckt.“

Chidambaram nahm am Donnerstag die Geheimdienste in Schutz; die Taten könnten nicht auf ein Versagen ihrerseits zurückgeführt werden. Nach den islamistischen Terrorangriffen im November 2008 in Mumbai, bei denen insgesamt 166 Menschen getötet wurden, seien die Sicherheitsmaßnahmen verschärft worden.

Die Geheimdienste hätten seitdem eine Reihe geplanter Attentate verhindert. Die Inder lebten allerdings in der „problematischsten Nachbarschaft der Welt“, fügte der Innenminister hinzu. Pakistan und Afghanistan seien „das Epizentrum des Terrorismus“. Daher seien alle indischen Städte „anfällig“ für Anschläge.

Ministerpräsident Singh ruft Menschen zur Ruhe auf

In Mumbai fragten sich jedoch viele Bewohner, wie es trotz der massiven Sicherheitsvorkehrungen zu den Anschlägen kommen konnte. „Nach den Attacken 2008 und dem ganzen Medien-Hype haben wir gedacht, wir seien sicher“, sagte die 33-jährige Anita Ramaswami. „Aber die Dinge haben sich nicht geändert und die Leute in Mumbai fühlen sich noch immer verletzlich.“

Ministerpräsident Manmohan Singh rief die Menschen auf, Ruhe zu bewahren und zusammenzustehen. Indien hatte erst vor wenigen Monaten wieder Friedensgespräche mit Pakistan aufgenommen, das für die Terrorserie in Mumbai im November 2008 verantwortlich gemacht wurde. Damals hatten Bewaffnete unter anderem zwei Luxushotels gestürmt und 166 Menschen getötet.

Die Angriffe wurden einer von Pakistan aus operierenden fundamentalistischen Organisation angelastet. Die pakistanische Regierung sprach Indien ihr Beileid aus. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama kondolierten.

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