Libyen

Gaddafi gehen die Soldaten aus

Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi ist um Truppennachschub bemüht. Staatliche Medien veröffentlichten einen Aufruf an "junge libysche Männer", sich für den Dienst bei der Polizei zu melden. Unterdessen sollen Rebellen Zivilisten angeriffen haben.

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Dem libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi gehen langsam die Freiwilligen aus. Die staatliche Nachrichtenagentur Jana veröffentlichte am Mittwoch einen Aufruf an die „jungen libyschen Männer“, sich für den Dienst bei der Polizei in den noch von den Gaddafi-Truppen kontrollierten Städten und Dörfern zu melden. Gesucht würden Polizisten unter anderem für die Hauptstadt Tripolis sowie für Gharijan, Bani Walid, Sleitan, Al-Chums, Surman, Al-Sawija, Sebrata und Sebha. In Gaddafis Heimatregion Sirte scheint dagegen noch kein Mangel an Polizisten zu herrschen.

Ein Beobachter in Tripolis erklärte, etliche Polizisten hätten sich in den vergangenen Monaten in die von den Aufständischen kontrollierten Gebiete abgesetzt. Einige von ihnen hätten sich den Truppen der Rebellen angeschlossen.

Aus Kreisen des Übergangsrates, der seinen Sitz in der östlichen Stadt Bengasi hat, hieß es, die Rebellen rechneten mit einem militärischen Sieg über die Gaddafi-Truppen in diesem Sommer. Frankreich und mehrere andere Staaten Europas und Afrikas hätten sich zwar um eine Verhandlungslösung bemüht. Ein Kompromiss sei aber nur möglich, wenn Muammar al-Gaddafi und seine Familie abtreten.

Rebellen sollen Zivilisten angegriffen haben

Unterdessen hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die libyschen Rebellen zum Schutz von Zivilisten und Krankenhäusern in den von ihnen kontrollierten Gebieten aufgerufen. Wie die Organisation am Mittwoch auf ihrer Webseite mitteilte, sollten die Rebellen-Streitkräfte jeden, der in ihren Reihen für Plünderungen, Brandstiftungen und die Verletzung von Menschenrechten in kürzlich eroberten Städten verantwortlich ist, zur Rechenschaft ziehen.

Der stellvertretende Direktor von Human Rights Watch für den Nahen Osten und Nordafrika, Joe Stork, sagte: „Die Oppositionsführer sollten alle Misshandlungen durch Rebellen stoppen und bestrafen.“ Die Rebellenführer hätten die Pflicht, Zivilisten und ihr Eigentum zu schützen.

In vier Städten im Nafusa-Gebirge, die die Regimegegner in den vergangenen vier Monaten eingenommen hätten, haben nach Angaben von Human Rights Watch Kämpfer der Rebellen und ihre Helfer Eigentum beschädigt. Sie hätten einige Häuser angezündet sowie Krankenhäuser, Wohnungen und Geschäfte geplündert. Außerdem sollen sie einige Menschen geschlagen haben, die angeblich die Regierungstruppen unterstützt hätten.

Die Organisation war nach eigenen Angaben Zeuge einiger Übergriffe. Sie hätte Zeugen befragt und mit einem Rebellenkommandeur gesprochen. Der Oberst habe zugegeben, dass es Übergriffe gegeben habe. Dabei seien Befehle für die Rebellenstreitkräfte missachtet worden. Er verwies darauf, dass einige Leute bestraft worden seien. Er habe jedoch nicht gesagt, um wie viele Menschen es sich gehandelt habe und um welche Delikte es gegangen sei, hieß in der Mitteilung von Human Rights Watch.