Kambodscha

Rote Khmer-Chefs wegen Völkermords angeklagt

Vor dem Völkermord-Tribunal in Kambodscha hat mehr als 30 Jahre nach dem Ende des Schreckensregimes der Prozess gegen vier ehemalige Anführer der Roten Khmer begonnen. Das Sondertribunal wird von der UNO unterstützt.

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In Kambodscha hat am Montag ein Gerichtsverfahren gegen vier ehemalige Führer der Roten Khmer begonnen.

Video: Reuters
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In Kambodscha hat am Montag der lang erwartete Prozess gegen vier Anführer der Roten Khmer begonnen. Mehr als 30 Jahre nach dem Ende des Schreckensregimes müssen sich unter anderem Ex-Staatschef Khieu Samphan und der Chef-Ideologe Nuon Chea vor einem von der UNO unterstützten Sondertribunal in Phnom Penh verantworten. Vor knapp einem Jahr war bereits der Chefs eines berüchtigten Foltergefängnisses zu 30 Jahren Haft verurteilt worden.

Hunderte Menschen versammelten sich am Montagmorgen vor dem Gerichtsgebäude, um einen Blick auf die Angeklagten zu erhaschen. Neben dem Pol-Pot-Vize „Bruder Nr. 2“ Nuon Chea und dem früheren Staatschef Khieu Samphan stehen Ex-Außenminister Ieng Sary sowie die ehemalige Sozialministerin Ieng Thirith vor Gericht. Die Angeklagten sahen alt und gebrechlich aus, als sie auf der Anklagebank Platz nahmen. Richter Nil Nonn erklärte „die erste Anhörung im Fall 002“ offiziell für eröffnet, bevor er die Liste der Anklagepunkte verlas.

Die vier Angeklagten, die zwischen 79 und 85 Jahre alt sind, müssen sich wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermords während der Herrschaft der maoistischen Roten Khmer in dem südostasiatischen Land zwischen 1975 und 1979 verantworten. Zwei Millionen Menschen, knapp ein Viertel der damaligen Bevölkerung Kambodschas, kamen in dieser Zeit durch Erschöpfung, Hunger, Krankheit, Folter und Hinrichtungen ums Leben. Der Anklagepunkt des Völkermords betrifft jedoch ausschließlich Massaker an Vietnamesen und der muslimischen Minderheit der Cham.

An den ersten Prozesstagen soll es bis Donnerstag vorerst nur um das Prozedere des Verfahrens wie die Auflistung von Zeugen gehen. Mit den ersten Aussagen der Beschuldigten ist frühestens im August zu rechnen. Insgesamt könnte der Prozess mehrere Jahre dauern. Die Angeklagten lehnen den Prozess ab und weisen sämtliche Vorwürfe zurück. Er sei „nicht glücklich“ über die Anhörung, sagte Nuon Chea in einer überraschenden Äußerung.

Der Prozess ist der zweite gegen Verantwortliche der Roten Khmer, nachdem im vergangenen Jahr erstmals ein Urteil gegen ein führendes Regime-Mitglied gefällt wurde. Nach einem Geständnis wurde der einstige Folterchef Kaing Guek Eav alias Duch im Juli 2010 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Unter seiner Aufsicht waren in der berüchtigten Haftanstalt Tuol Sleng in der Hauptstadt Phnom Penh bis zu 15.000 Menschen gefoltert und hingerichtet worden. Derzeit wartet er auf ein Urteil im Berufungsverfahren. Im Prozess gegen die vier Ex-Anführer des Regimes könnte er als Zeuge gehört werden.

Nach langen Verhandlungen zwischen der UNO und der Regierung in Phnom Penh war 2006 das Sondertribunal für Kambodscha ins Leben gerufen worden, tausende Schergen werden jedoch niemals belangt werden können. Der Hauptverantwortliche, „Bruder Nr. 1“ Pol Pot, starb unter ungeklärten Umständen 1998. Acht Jahre später starb auch sein gefürchteter Militärbefehlshaber Ta Mok im Gefängnis.