"Kannibale von Rotenburg"

Meiwes tritt "Grüner Knastgruppe" bei

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Armin Meiwes interessiert sich für Politik. Er wurde aktives Mitglied der „Grünen Knastgruppe". Die CDU im hessischen Landtag reagiert empört auf die Mitgliedschaft des Mörders in der grünen Gruppierung.

Foto: top / DDP

Armin Meiwes (45), zu lebenslanger Haft verurteilter „Kannibale von Rotenburg“, ist einer Gefangenengruppe der Grünen beigetreten. Er sei damit aber nicht automatisch Parteimitglied, sagte der Kasseler Landtagsabgeordnete Andreas Jürgens und korrigierte damit frühere Äußerungen. Ansonsten bestätigte der Grünen-Politiker einen Bericht der „Bild-Zeitung“.

Die Mitwirkenden der Gefangenengruppe in der Justizvollzugsanstalt Kassel seien nie als Mitglieder im Kreis- oder Landesverband geführt worden, sagte der Jurist Jürgens. „Etwas untechnisch“ seien sie vom Kreisverband dennoch als „Mitglieder ohne Beitrag und Stimmrecht“ bezeichnet worden. Derartige Mitgliedschaften bei den Grünen gebe es nach der

Satzung aber gar nicht. De facto seien die Mitglieder der Knastgruppe nie ordentliche Mitglieder der Partei gewesen. Man könne sie höchstens als Interessenten oder Sympathisanten bezeichnen. Zunächst hatte Jürgens davon gesprochen, dass die Mitglieder der Knastgruppe automatisch auch Parteimitglieder seien.


Grundsätzlich könne jeder Häftling der seit über 20 Jahren bestehenden Gruppe beitreten, die sich als Gesprächskreis und Selbsthilfeeinrichtung verstehe, sagte Jürgens. „Wir fragen nicht nach den Umständen der Tat. Wenn wir da anfangen würden zu differenzieren, wäre die Gruppe tot.“ Die Gruppe sei das einzige politische Angebot in der Vollzugsanstalt, das wie jedes andere Freizeitangebot auch allen Gefangenen offen stehen müsse, unabhängig vom Grund ihrer Verurteilung und der moralischen Bewertung ihrer Taten. Die Häftlinge nutzten das Angebot zur Sozialberatung, engagierten sich aber nach der Haft in aller Regel nicht mehr in der Partei.

Empörung aus der CDU

Die CDU im hessischen Landtag hat empört auf die Mitgliedschaft des „Menschenfressers“ Meiwes in der grünen Gruppierung reagiert. „Es ist sehr beängstigend, dass die al-Wazir-Grünen einen Mann, der einen Menschen erstochen, danach mehrere Kilogramm von dessen Fleisch gegessen hat und im Internet nach weiteren Opfern gesucht hat, ohne Skrupel in der Grünen-Knast-Gruppe aufnehmen“, erklärte Fraktions- Geschäftsführer Axel Wintermeyer. Noch schlimmer sei es, wie Jürgens die Aufnahme gerechtfertigt habe. Dass er nun zurückgerudert sei, mache die Sache nicht besser.

Meiwes hat im März 2001 in Rotenburg an der Fulda einen Ingenieur aus Berlin auf dessen Verlangen entmannt. Im Verlauf der Tatnacht hat er den Schwerverletzten erstochen und später zerlegt. Von dem Menschenfleisch hat Meiwes mehrere Kilogramm gegessen und im Internet nach weiteren Opfern gesucht. Das Landgericht Frankfurt hat ihn zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem der Bundesgerichtshof eine erste, mildere Verurteilung aufgehoben hatte.