Innenminister Friedrich

Islamisten gemeinsam mit Muslimen stoppen

Drei Stunden debattierte Innenminister Friedrich mit Verbänden und Sicherheitsexperten über die wachsende Radikalisierung von Muslimen in Deutschland. Am Ende des Präventionsgipfels stand fest: Extremismus kann man nur gemeinsam mit allen Muslimen bekämpfen.

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Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat die Muslime in Deutschland zum gemeinsamen Kampf gegen die Radikalisierung junger Leute durch Islamisten aufgerufen. „Der Radikalisierung und dem Missbrauch der Religion wollen wir gemeinsam entgegentreten“, erklärte der CSU-Politiker am Freitag nach dem gut dreistündigen Präventionsgipfel, bei dem muslimische Verbände und Sicherheitsexperten gemeinsam über den Kampf gegen den Extremismus berieten. Die Bevölkerung müsse gegenüber jeder Art von Radikalisierung wachsamer werden. Eine besondere Gefahr gehe vom Internet aus, über das junge Leute radikalisiert werden könnten, ohne dass dies wie bei der klassischen Radikalisierung in einem Moscheeverein auffalle.

Dies sei bei dem 21-jährigen Kosovaren so gewesen, der Anfang März am Frankfurter Flughafen zwei amerikanische Soldaten erschossen hatte, sagte Friedrich. Der junge Mann sei in Deutschland aufgewachsen und habe sich im Internet dem Terror zugewandt. Zielgruppe der Extremistenorganisation Al-Kaida seien besonders deutsche Konvertiten, aber auch junge Moslems, die in Deutschland aufgewachsen seien, sagte Friedrich in der ARD. Der Minister forderte die Familien daher auf, junge Leute genau zu beobachten, um extremistische Tendenzen frühzeitig festzustellen. „Durch gemeinschaftliches Handeln von Staat und Muslimen wird jedem Generalverdacht entgegengetreten“, betonte er.

Die SPD warf Friedrich dennoch vor, die Muslime unter Generalverdacht zu stellen. „Wenn wir gewaltbereite Extremisten isolieren wollen, müssen wir die gemäßigten Muslime stärken und in Deutschland willkommen heißen“, forderte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Der Islam gehöre zu Deutschland. Dies habe Friedrich noch immer nicht erkannt. „Friedrich hat damit viel Porzellan zerschlagen. Jetzt muss er die Scherben wieder einsammeln“.

Die Linkspartei kritisierte, Friedrich reduziere das Verhältnis des Staates zum Islam weiter auf Sicherheitsaspekte. „Radikalisierungstendenzen unter Muslimen sind jedoch nicht zuletzt Ergebnis der repressiven Integrationspolitik in der Bundesrepublik, wie sie sich genau in solchen Präventionsgipfeln ausdrückt“, erklärte die Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke.