Chinesischer Regierungskritiker

Ai Weiwei wegen "guten Verhaltens" entlassen

Angeblich wurde der chinesische Künstler Ai Weiwei weil er gestanden hat aus dem Gefängnis entlassen. Noch nie hat Chinas Polizei einen von ihr Festgenommenen "auf Kaution" freigelassen.

"Wir sind so aufgeregt. Aber wir wissen gar nichts.“ Gegen zehn Uhr abends am Mittwoch erfahren Schwester Gao Ge und Ai Weiweis Mutter Gao Ying von anrufenden Journalisten, was die Nachrichtenagentur Xinhua gerade auf Englisch verbreitet hat. Die Polizei hat den seit dem 3. April von ihr verschleppten und seitdem an einem unbekannten Ort festgehaltenen Künstler „auf Kaution“ freigelassen. Er habe „sich gut verhalten, indem er seine Verbrechen eingestanden hat.“ Und man habe auch aus der Erwägung gehandelt, „dass er an einer chronischen Krankheit leidet“, womit die Polizei vermutlich Bluthochdruck meint. Aber er kommt frei, sagt Gao Ge der Berliner Morgenpost. Die Behörden hätten der Familie nie gesagt, wo sie ihn festhielten. „Wir durften nicht mal Päckchen mit Medizin oder Kleidung für ihn abgeben.“ Seine Frau Lu Qing durfte ihn nur einmal an einem unbekannten Ort für zehn Minuten sehen, um sich zu vergewissern, dass er lebt und gesund ist.

Vorwurf der Steuerhinterziehung

Noch nie hat Chinas Polizei einen von ihr Festgenommenen „auf Kaution“ freigelassen. Am Freitag beginnt Premier Wen Jiabao seine Europareise nach Ungarn, Großbritannien und Deutschland, wo er am 27. und 28. Juni begleitet von 13 Ministern mit der Regierungsmannschaft von Kanzlerin Angela Merkel konferiert, der erste gemeinsame Kabinettsgipfel zwischen China und Deutschland. Da muss das Reizthema Ai Weiwei vom Tisch. Das Problem Chinas mit dem weltbekannten Künstler muss auch vor dem 1.Juli gelöst werden. Absurd mutet auch der zweite Satz in der kurzen Erklärung von Xinhua an: „Diese Entscheidung ist auch davon beeinflusst worden, dass Ai wiederholt gesagt hat, dass er bereit ist, die von ihm vermiedenen Steuern zu zahlen.“ Gao Ge dazu: „Natürlich zahlen wir die Steuern.“ Pekings Behörden hatten sich während Ai Weiweis Verschwinden nur einmal zu Wort gemeldet und der von seiner Frau Lu Qing gegründeten Marketinggesellschaft „Beijing Fake Cultural Development Ltd.“ vorgeworfen massiv Steuern hinterzogen zu haben. Ai Weiwei würde dahinter stecken.

Die englische Nachricht übersetzte Ai Weiweis Anwalt Liu Xiaoyuan, der die ganze Zeit keinen Kontakt zu seinem Klienten aufnehmen durfte, und veröffentlichte sie in seinem Blog. Sie stößt zunächst auf Unglauben. Viele schreiben, dass sie schon Gerüchte gehört hätten. Einige der Blogs werden von Zensoren sofort gelöscht, sogar der Nachdruck der Xinhua-Nachricht. Am späten Abend ist Ai Weiwei in sein Atelier zurückgekehrt. Freunden, die ihn anrufen, sagt er: „Ich bedanke mich bei allen, die sich für mich eingesetzt haben.“

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