70. Geburtstag

Kofi Annan verbindet Charisma mit Zähigkeit

Afghanistans Präsident Karsai lobte ihn als "Präsidenten der Welt": Kein anderer UN-Generalsekretär hat die Weltorganisation so eindrucksvoll verkörpert wie Kofi Annan. Doch der Afrikaner musste in seiner zehnjährigen Amtszeit auch Misserfolge und Niederlagen einstecken. Am 8. April feiert er seinen 70. Geburtstag.

Foto: EPA

Ein Jahrzent lang hat Kofi Annan die Weltorganisation durch seine Arbeit geprägt. Heute feiert der Spross eines Adelsgeschlechts aus dem westafrikanischen Ghana seinen 70. Geburtstag. Er führte zehn Jahre lang den oft zerstrittenen Bund der Staaten der Welt.


Annan verband Charisma und Würde mit Zähigkeit und Geschmeidigkeit. Seine Arbeit an der Spitze des UN-Hauptquartiers in New York trug ihm 2001 den Friedensnobelpreis ein. Auch nach seiner UN-Zeit engagiert sich Annan mit großer Energie: Wochenlang blieb er als Krisenvermittler in diesem Frühjahr in dem von Gewalt erschütterten Kenia, bis sich Regierung und Opposition schließlich die Hand reichten. „Wir wollen, dass Kenia wieder das alte Kenia wird: stabil, wohlhabend und friedlich“, rief er bei seiner Abreise den jubelnden Menschen zu.

Wieder zurück an seinem Wohnort Genf, stürzte sich der UN-Pensionär mit voller Kraft in sein Lieblingsprojekt: Die Arbeit als Präsident des Globalen Humanitären Forums. Annan will das Gremium im Kampf gegen den Klimawandel prominent positionieren. „Praktisch nichts ist bisher unternommen worden, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Schwächsten zu lindern“, kritisiert er.


Um Klimaflüchtlinge, Dürre- und Flutopfer stärker ins Bewusstsein der internationalen Gemeinschaft zu rücken, lädt das Annan-Forum Ende Juni zu seinem ersten großen Treffen in Genf ein. „Wir debattieren mit hochkarätigen Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Militär“, heißt es aus Annans Umfeld. Für den Vorstand des Forums gewann Annan prominenten Mitstreiter wie den Schweizer Bankier Ivan Pictet, den ehemaligen Weltbankpräsidenten James Wolfensohn und den Tübinger katholischen Theologen Hans Küng.


Auch in anderen Zirkeln wirkt Annan kräftig mit: So gehört er zum erlauchten Kreis der „Älteren“: Südafrikas Freiheitsheld Nelson Mandela, Ex-US-Präsident Jimmy Carter, Annan und andere wollen ihre Erfahrung nutzen, um aus der Welt einen besseren Planeten zu machen.

Der Präsident der Welt



Das versuchte Annan auch als UN-Generalsekretär von 1996 bis 2006. Politiker wie Afghanistans Präsident Hamid Karsai lobten ihn als „Präsidenten der Welt“. Der frühere deutsche UN-Botschafter in New York, Gunter Pleuger, sagte voller Bewunderung: „Ich habe mich mein Leben lang mit den UN beschäftigt. Dies ist mein fünfter Generalsekretär. Kofi Annan ist der beste.“

Als erster Schwarzafrikaner leitete Annan die UN-Zentrale. Mal agierte er wie ein General - und rückte den Kampf gegen Armut, Aids und Malaria in den Mittelpunkt der UN-Arbeit. Er war es auch, der sich als einer der ersten gegen eine Irak-Invasion der USA stemmte - und dafür ein tiefes Zerwürfnis mit Washington in Kauf nehmen musste. Mal musste er sich dagegen mit der Rolle des ausführenden Sekretärs begnügen: So als er versuchte, nach dem Korruptionsskandal beim Programm „Öl für Lebensmittel“ für den Irak die UN-Bürokratie zu modernisieren.

Annan wurde am 8. April 1938 in der Goldregion Kumasi in Ghana geboren. Er schlug einen internationalen Bildungs- und Karriereweg ein und studierte Ökonomie in Ghana, in den USA und in der Schweiz. 1962 begann er bei der Weltgesundheitsorganisation in Genf als Verwaltungsfachmann. Schnell stieg er in der UN-Hierarchie auf.

Versagen der UN in Ruanda nahm er auf seine Kappe

In den neunziger Jahren übernahm er die Leitung der weltweiten UN-Friedenstruppen. In seine Zeit fielen zwei Katastrophen, bei denen Annan und andere Verantwortliche der UN-Blauhelme keine gute Figur machten: Der Völkermord 1994 in Ruanda und das Massaker in Srebrenica während des Bosnienkrieges 1995. Kritiker werfen den Vereinten Nationen in beiden Fällen verantwortungslose Untätigkeit vor. Das Versagen der UN in Ruanda nahm er auch auf seine Kappe - was seine moralische Autorität noch stärkte. Inzwischen wandte er sich mit bewegenden Worten an die Ruander: „Im Namen der Vereinten Nationen gebe ich dieses Versagen zu und bereue zutiefst.“

Nicht nur bei der von ihm gewünschten UN-Reform, auch im Sudan-Konflikt geriet der Makler Annan zuweilen in die Rolle des Ritters von der traurigen Gestalt. Gebetsmühlenartig drohte er der Regierung in Khartum mit Konsequenzen - die jedoch wie erwartet ausblieben. „Nie wieder Ruanda“, so beschwor Annan die internationale Nicht-Gemeinschaft.

In der Sprache seines Fante-Stamms bedeutet Kofi „Freitag“. An einem Freitag im Dezember 1996 wurde der vornehme Häuptlingssohn zum siebten Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt. An einem Freitag des Jahres 2001, einen Monat nach den Terroranschlägen des 11. September, erhielt Kofi Annan den ersten Friedensnobelpreis des neuen Jahrtausends zugesprochen: für seinen Einsatz um den Frieden in der Welt - aber wohl auch für seine bemerkenswerte Frustrationstoleranz. Fast logisch, dass auch seine Amtszeit am East River mit einem Freitag zu Ende ging.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen