Libyen

Nato fliegt neue Angriffe auf Gaddafi

Kampfflugzeuge der Nato haben am späten Dienstagabend erneut Ziele in der libyschen Hauptstadt Tripolis angegriffen. Ob es bei den zwei Luftangriffen kurz vor Mitternacht Tote gegeben hatte, war zunächst nicht bekannt.

Die Nato hat offenbar bei einem neuen Luftangriff auf die libysche Hauptstadt Tripolis ein Ziel in der Nähe des Anwesens von Machthaber Muammar al Gaddafi getroffen. Eine graue Rauchsäule war am Dienstag in der Gegend um den Militärkomplex Gaddafis zu sehen, das genaue Ziel des Angriffs und die Opferzahlen war zunächst aber unklar. Auch die libysche Regierung kommentierte die Explosion nicht, die auch in einem Hotel ausländischer Journalisten in der Hauptstadt zu spüren war.

Das Militärbündnis hatte in der Vergangenheit wiederholt Angriffe auf den Stützpunkt Bab al Asisija geflogen, wo sich auch ein Anwesen Gaddafis befindet. Dessen Anhänger kommen dort jede Nacht zu Kundgebungen zusammen. Stunden vor dem Angriff hatten sich ausländische Antikriegsaktivisten auf dem Gelände versammelt.

Zuvor hatte das Militärbündnis über der Stadt Slitan Flugblätter abgeworfen, in denen die Truppen des Machthabers Muammar al Gaddafi zur Aufgabe aufgerufen wurden. Auf den Flugblättern war das Symbol der Nato sowie Bilder von einem Kampfhubschrauber und einem brennenden Panzer zu sehen. „Es gibt keinen Ort, um sich zu verstecken. Es ist nicht zu spät, den Kampf zu beenden“, hieß es in den Schreiben. „Wenn Ihr weiter Zivilpersonen bedroht, werdet Ihr zerstört.“

Bedenken über lange Libyen-Mission

Doch Nato-Vertreter erklärten, dass die Operation in Libyen nicht in dieser Form aufrechterhalten werden könne, sollte sie sich noch weiter hinziehen. Er sei mit der Entscheidung der Nato einverstanden, die Mission bis September zu verlängern, sagte der britische Marine-Kommandant Mark Stanhope am Montag. Doch danach müsse die britische Regierung schwierige Entscheidungen treffen. „Wenn wir das länger als sechs Monate machen, müssen wir neue Prioritäten für unsere Truppen festlegen“, sagte Stanhope. Die britische Flotte, die eine Schlüsselposition in der Libyen-Operation einnimmt, könne ansonsten das bisherige Ausmaß ihres Einsatzes nicht beibehalten.

Auch ein ranghoher französischer Nato-Vertreter, General Stephane Abrial, erklärte, die Frage der Ressourcen des Militärbündnisses sei besonders kritisch, sollte sich die Mission hinziehen. „Wenn weitere Ressourcen benötigt werden, ist das natürlich eine politische Entscheidung“, sagte Abrial, Supreme Allied Commander Transformation der Nato.

Kämpfe um Grenzposten

Im Westen Libyens bombardierten Gaddafi-Truppe indessen nach Angaben des Rebellensprechers einen von den Regierungsgegnern kontrollierten Grenzübergang nach Tunesien. Die Gaddafi-Truppen hätten am Dienstag Rebellen auf der Straße zum Grenzposten Dehiba unter Beschuss genommen, erklärte ein Sprecher der Rebellen, Omar Hussein.

Dehiba ist einer der wichtigsten Versorgungspunkte für die Rebellen, die zuletzt eine Reihe von Städten in den Nafusa-Bergen im Westen Libyens unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Laut Hussein liefern sich Rebellen und Regierungstruppen in der Gegend auch tägliche Gefechte um die Städte Sintan und Rejanna.

Gaddafi angeblich verhandlungsbereit

In der Zwischenzeit vermeldete die Agentur Interfax in Moskua, der libysische Diktator sei zu Verhandlungen bereit. Das habe er gegenüber dem russischen Chef des Weltschachverbandes FIDE Kirsan Iljumschinow geäußert. Gaddafi fordere aber, dass die Nato zuvor ihre Luftangriffe in dem nordafrikanischen Land einstelle, so Iljumschinow gegenüber Interfax. Er sei nicht als offizieller Vermittler in Tripolis gewesen, betonte er. Iljumschinow und Gaddafi hatten am Sonntag in der libyschen Hauptstadt Schach gespielt.

Iljumschinow, der nach eigenen Angaben am 1. Oktober ein "großes internationales Schachturnier" in Libyens Hauptstadt Tripolis veranstalten will, hatte noch am Sonntag erklärt, Gaddafi habe ihm gesagt, dass er weder zurücktreten noch Libyen verlassen werde. Außerdem Illjumschinow habe Gaddafi bei dem Treffen die Position Russlands in dem Konflikt mitgeteilt, sagte der außenpolitische Berater von Präsident Dmitri Medwedew, Sergej Prichodko. Moskau fordert den Rückzug Gaddafis. Der Kreml sei über die Reise informiert gewesen, sagte Prichodko.