"Gorch Fock"

Ermittlungen nach tödlichem Sturz eingestellt

Im November 2010 starb die Kadettin Sarah Seele auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock". Ob es sich um einen Unfall oder fahrlässige Tötung handelte, war lange nicht klar. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Kiel die Untersuchungen eingestellt.

Die Kieler Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen nach dem tödlichen Sturz einer Offiziersanwärterin aus der Takelage des Segelschulschiffs "Gorch Fock“ eingestellt. „Zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für strafrechtlich zu bewertendes Fehlverhalten haben sich weder gegen Verantwortliche der Schiffsführung, Mitglieder der Besatzung oder sonstige Angehörige der Marine ergeben“, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Kiel mit.

Nach dem tödlichen Sturz der Offiziersanwärterin Sarah Lena Seele aus der Takelage während einer Aufenter- und Segelübung war die Ausbildung auf dem Segelschulschiff in die Kritik geraten. Die 25-Jährige war am 7. November 2010 im brasilianischen Hafen von Salvador da Bahia im Rahmen der Segelvorausbildung aus 27 Meter Höhe auf Deck gestürzt. Nach dem Vorfall kamen Vorwürfe über angebliche Drangsalierungen, übermäßigen Druck und eklige Rituale auf, die eine Kommission der Marine im Wesentlichen nicht bestätigte. Die Mutter der verunglückten Soldatin hatte Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung erstattet. Der unter dem Vorfall segelnde Kommandant Norbert Schatz wurde vom Dienst suspendiert.

Den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen waren zunächst Untersuchungen der Marinekommission vorausgegangen. Um möglichen Missständen bei der Ausbildung auf dem Segelschulschiff nachzugehen, befragte die Kommission unter Leitung von Marineamtschef Horst-Dieter Kolletschke vier Wochen lang 192 Mitglieder der Stammbesatzung und 221 Offiziersanwärter – sowohl an Bord der „Gorch Fock“, als auch an der Marineschule in Flensburg-Mürwik.

Das Team kam zu dem Schluss, dass die Vorwürfe zum großen Teil „nicht haltbar“ sind. Und die wenigen, die bestätigt wurden, hätten „bei Weitem nicht die Qualität“, die ihnen ursprünglich beigemessen worden sei. Ein „gewisser Nachdruck“ sei zur Durchsetzung von Ausbildungszielen notwendig.

Nach Veröffentlichtung des Berichts wurden Stimmen laut, die Untersuchungsergebnisse seien unkritisch. Thomas de Maizière bezeichnete den Bericht als "ungeschickt formuliert", er offenbare außerdem großes Verständnis für die seefahrertypischen Rituale an Bord. Auf strukturelle Probleme wie die Eignungstests für Offiziersanwärter sei die Kommission gar nicht eingegangen.

Die Offiziersausbildung auf der „Gorch Fock“ ruht zur Zeit, über die Zukunft des Segelschulschiffs ist bislang noch nicht abschließend entschieden. Marine und Verteidigungsministerium wollten unter anderem zunächst die Ergebnisse der staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen des Verdachts einer fahrlässigen Tötung abwarten.

Fest steht allerdings, dass die "Gorch Fock" nicht wie sonst die Windjammerparade auf der Kieler Woche anführen wird. Mit der "Alexander von Humboldt" wird am 25. Juni dann zum vierten Mal in den vergangenen zehn Jahren ein anderes Schiff als die "Gorch Fock" die Parade anführen.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen