USA-Besuch

Obama zählt Merkel zu seinen "engsten Partnern"

Mit 19 Salutschüssen ist Bundeskanzlerin Angela Merkel von US-Präsident Barack Obama und seiner Frau Michelle vor dem Weißen Haus in Washington empfangen worden. Anschließend setzten Merkel und Obama ihre Gespräche vom Vorabend fort.

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US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag vor knapp 4700 geladenen Gästen mit militärischen Ehren in Washington begrüßt. Die Kanzlerin wurde im Garten vor dem Weißen Haus mit 19 Salutschüssen empfangen. Anschließend wollten Obama und Merkel ihre bereits am Vorabend informell begonnenen Gespräche mit der Begegnung im Oval Office fortsetzen. Dazukommen sollten auch die mit Merkel angereisten fünf Bundesminister sowie deren US-Kollegen, unter anderem Vizepräsident Joe Biden und Außenministerin Hillary Clinton.

Obama erklärte bei der Zeremonie, es sei für ihn und seine Frau sowie für das amerikanische Volk eine große Ehre, die Kanzlerin wieder in den USA begrüßen zu dürfen. Merkel zähle zu seinen engsten Partnern, betonte der Präsident. Viele Menschen aus beiden Ländern „arbeiten jeden Tag zusammen und gestalten die Zukunft“. Bündnisse mit Ländern wie Deutschland seien enorm wichtig, „in der Tat sind sie für den Wohlstand weltweit unverzichtbar“, erklärte der Präsident.

Die Geschichte Deutschlands zeige, was in der heutigen Zeit möglich sei, sagte Obama. Kriege könnten beendet werden, Gegner zu Freunden werden und Mauern fallen. „Es ist für alle offensichtlich, dass wir beide nicht so aussehen wie die Regierungschefs vor uns“, scherzte Obama und sprach zum Abschluss seiner Ansprache ein „Herzlich Willkommen“ auf deutsch aus.

"Überwältigender Empfang"

Merkel sprach von einem „überwältigenden Empfang“ und erinnerte dabei an ihre Rede vor dem US-Kongress. „Auch den heutigen Tag werde ich nicht vergessen“, sagte sie. Die Deutschen wüssten „dass wir in Amerika einen wahren Freund haben“. Die Freundschaft sei über die Jahre gereift und werde täglich ge- und belebt. Deutschland und die USA teilten die selben Werte. Auch Merkel sprach ein paar Worte auf englisch und erklärte, Deutschland und Europa hätten keinen besseren Partner als Amerika.

Obama und Merkel hatten bereits am Vorabend rund zwei Stunden lang gemeinsam in einem Washingtoner Restaurant zu Abend gegessen. Das Gespräch fand nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen in „entspannter Atmosphäre“ statt und berührte internationale Themen vom Umbruch in Nordafrika über die Lage in Afghanistan bis zum Nahost-Friedensprozess. Beraten wurde demnach auch über die Euro-Krise, die Weltwirtschaft und sowie die Politik in Deutschland und den USA.

Am Dienstagabend wird Merkel im Rahmen eines Staatsbanketts von Obama mit der Freiheitsmedaille, der höchsten zivilen Ehrung der USA, ausgezeichnet. Sie ist nach Altbundeskanzler Helmut Kohl die zweite Deutsche, die die Medaille verliehen bekommt. Zu dem feierlichen Abendessen im Weißen Haus mit rund 250 Gästen kommen auch Merkels Mann, der Chemieprofessor Joachim Sauer, sowie der Fernsehmoderator Thomas Gottschalk und der frühere Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Ungewöhnliches Maß an Aufmerksamkeit

Merkel, die am Mittwoch in Berlin zurückerwartet wird, genoss bei ihrer USA-Reise ein ungewöhnliches Maß an Aufmerksamkeit durch den US-Präsidenten. Nicht nur, dass es 17 Jahre her ist, dass im Weißen Haus zuletzt ein Staatsbankett für einen deutschen Kanzler – damals Helmut Kohl – gegeben wurde. Merkel ist auch die erste europäische Politikerin, die eine solche Behandlung durch Barack Obama erfährt.

Merkels Ehemann Joachim Sauer reiste getrennt in die Vereinigten Staaten und hielt den Angaben zufolge zunächst einen Vortrag an einer Universität in Detroit. Er sollte am Dienstagnachmittag in Washington eintreffen und dann am Staatsbankett teilnehmen.

Begleitet wurde Merkel auf ihrer Reise von ihren Kabinettskollegen, Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, Bundesaußenminister Guido Westerwelle (beide FDP), Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU).