Taliban-Geisel

UN-Generalsekretär sorgt sich um Rudolf B.

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Foto: VM RAJ**LON** / AP

Nachdem die südkoreanischen Geiseln frei sind, zeigt sich der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon besorgt über die Situation des entführten Deutschen Rudolf B. Die Kritik an Südkorea wächst, weil das Land den Taliban versprochen hat, seine Soldaten abzuziehen.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat sich besorgt über das Schicksal des in Afghanistan entführten deutschen Ingenieurs Rudolf B. geäußert. Ban habe seine tiefe Sorge über die Sicherheit und das Wohlergehen aller Staatsbürger zum Ausdruck gebracht, die gegen ihren Willen in Afghanistan festgehalten würden, erklärte UN-Sprecherin Marie Okabe.

Das Auswärtige Amt wollte sich nicht zu der Erklärung Bans äußern. Eine Sprecherin sagte, der Krisenstab des Ministeriums bemühe sich weiterhin sehr intensiv um die Freilassung der Geisel. Rudolf B. und ein zweiter deutscher Ingenieur waren im Juli in der Provinz Wardak entführt worden. Die zweite Geisel wurde von den Entführern erschossen.

Der aus Südkorea stammende Ban drückte zugleich seine Freude über die Freilassung seiner ebenfalls in Afghanistan entführten Landsleute aus. Die Taliban hatten am Donnerstag die letzten sieben südkoreanischen Geiseln auf freien Fuß gesetzt. Die Südostasiaten sollten Kabul voraussichtlich am Freitag verlassen.

Geiseln erzählen von ihrer Entführung

Zwei von ihnen berichteten erstmals über ihre Geiselhaft. Sie entschuldigten sich bei ihrer Regierung und allen Menschen, die um sie gebangt hätten. „Ich kann wegen der Sorgen, die wir verursacht haben, gar nicht schlafen“, sagte der 55 Jahre alte Yoo Kyung Sik in einem Hotel in Kabul. Es tue ihnen sehr leid, sagten Yoo und die 22 Jahre alte Suh Myung Hwa. Yoo berichtete, dass die 23-köpfige Gruppe in einem gemieteten Bus im Süden Afghanistans unterwegs gewesen sei, als zwei Afghanen mit Erlaubnis des Fahrers zugestiegen seien. Dieser habe gesagt, sie seien nicht gefährlich. Eine halbe Stunde später hätten die Männer geschossen und der Bus habe angehalten, sagte Yoo.

Sie seien zunächst in einem Keller festgehalten und später zu einem Bauernhof gebracht worden. Nach sechs Tagen seien sie in Gruppen aufgeteilt und an wechselnden Orten festgehalten worden. Yoo berichtete, seine Gruppe sei zwölf Mal verlegt worden. Dabei seien sie entweder auf Motorrädern gefahren oder zu Fuß gegangen. Yonhap berichtete, alle Geiseln hätten sich am Freitagmorgen in einem Hotel wiedergesehen. Einige seien ohnmächtig geworden, als sie erfahren hätten, dass zwei ihrer Schicksalsgenossen von den Taliban getötet wurden.

Der dänische Außenminister Per Stig Møller kritisierte Südkoreas Strategie im Umgang mit den Geiselnehmern. Møller sagte in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Zeitung „Politiken“: „Ich fürchte, dass als Konsequenz hieraus Zivilisten in gefährlichen Gebieten künftig einem größeren Entführungsrisiko mit Blick auf Terroristen ausgesetzt sind.“ Weiter meinte er: „In der Folge könnten Terroristen die Außenpolitik eines anderen Staates diktieren. Das darf nicht sein.“ Südkoreas Regierung hatte als Gegenleistung den – zuvor bereits beschlossenen – Abzug seiner 200 Soldaten aus Afghanistan bekräftigt, und will dafür sorgen, dass keine christlichen Missionare mehr in das Land geschickt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel warb unterdessen erneut für eine Fortsetzung der Bundeswehr-Einsätze in Afghanistan. „Das deutsche Engagement in Afghanistan ist ein Engagement, das der Sicherheit Deutschlands dient und gleichzeitig dem Wohle der afghanischen Bevölkerung“, sagte sie am Rande ihrer Japan-Reise in Kyoto.

( reuters/dpa/wal )

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