Kriegsverbrecher

Mladic war bewaffnet – und wurde im Bett verhaftet

Der wegen Völkermord gesuchte Ratko Mladic schlief, als die Geheimdienstmänner kamen: Im Haus seiner Onkels wurde der Ex-General festgenommen.

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Der mutmaßliche Kriegsverbrecher wurde nach seiner Festnahme in einer Ortschaft im Norden Serbiens nach Belgrad gebracht. Nun soll er nach Den Haag ausgeliefert werden.

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Ratko Mladic ist von den Einsatzkräften im Schlaf überrascht worden. Der als Kriegsverbrecher gesuchte ehemalige Serbengeneral sei am Donnerstagmorgen „aus dem Bett heraus verhaftet“ worden, berichteten die Zeitungen am Freitag in Belgrad. Seine angeblich umfangreiche Leibwache, die ihn bei einer Festnahme hätte erschießen sollen, sei weit und breit nicht in Sicht gewesen. Auch seien keine modernen Kommunikationsmittel wie Handy oder Laptop gefunden worden. Mladic habe zwei geladene Gewehre bei sich gehabt, aber keinen Widerstand geleistet, sagte der für die Verfolgung von Kriegsverbrechern zuständige serbische Minister Rasim Ljajicg.

Bei dem Haus seines Onkels Branislav Mladic im Dorf Lazarevo - eine Autostunde nordwestlich von Belgrad – handele es sich um „ein typisches Bauernhaus“, hieß es in den Presseberichten weiter. Das Gebäude sei in der Vergangenheit von den Sicherheitskräften mehrmals ohne Ergebnis durchsucht worden, Mladic sei erst vor zwei Wochen hier eingetroffen. Zuvor habe er sich in der Umgebung von Belgrad versteckt gehalten. Schon früher hatten die Verfolger herausgefunden, dass Mladic seine Verstecke in schneller Folge änderte.

Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher wird am Freitagmittag wieder vor dem Untersuchungsrichter erscheinen. Das kündigte der Sprecher der serbischen Staatsanwaltschaft, Bruno Vekaric, im Staatsfernsehen RTS in Belgrad an. Seine Auslieferung an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag werde „spätestens in sieben Tagen“ über die Bühne gehen.

Vekaric widersprach Augenzeugen, die Mladic als demenzkranken alten Mann mit eingeschränkter Zurechnungsfähigkeit dargestellt hatten. Die angebliche Gebrechlichkeit des 69-Jährigen sei nur ein Teil seiner Verteidigungstaktik, behauptete der Behördensprecher. Er habe Mladic als Mann erlebt, der seine Lage sehr wohl einschätzen und am Verfahren teilnehmen könne.

Mladic ist auf aktuellen Fotos nicht wiederzuerkennen. Die Medien veröffentlichten am Freitag in Belgrad Porträts des 69-Jährigen, auf denen er abgemagert und mit ausgefallenem Haar erscheint. Sein rechter Arm sei nach einem Schlaganfall steif geblieben. Auf den letzten existierenden Fotos, die zehn Jahre alt waren, ist Mladic noch als vitaler fülliger Mann zu sehen.

Der 68-jährige wird unter anderem für das Massaker von Srebrenica 1995 mit rund 8000 Toten verantwortlich gemacht. Laut Justizministerium in Belgrad soll Mladic frühestens am kommenden Montag, spätestens am darauffolgenden Mittwoch nach Den Haag gebracht werden.

Ratko Mladic war mehr als 15 Jahre auf der Flucht, selbst beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag glaubte man zuletzt kaum noch an seine Festnahme. Nun kann dem als „Schlächter von Srebrenica“ bekannten General doch noch der Prozess gemacht werden.

Die jahrelang ausbleibende Festnahme Mladics galt als eines der größten Hindernisse bei den Bemühungen Belgrads um eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Entsprechend stellte Serbiens Präsident Boris Tadic klar, dass Belgrad nun als Gegenleistung für die Verhaftung von Mladic einen zügigen EU-Beitritt erwarte. „Ich hoffe, dass jetzt die Türen offen stehen“, sagte der Präsident.

Die EU und die USA lobten Serbien für die Verhaftung. Die EU forderte aber weitere Reformen vor dem Beginn von Verhandlungen über einen Beitritt des Balkanlandes.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Festnahme als überfällig und als gute Nachricht für ganz Europa. „Mladic hat große Schuld für besonders dunkle und tragische Ereignisse in den Balkankriegen auf sich geladen.“

US-Präsident Barack Obama sagte, Mladic müsse zügig vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gebracht werden. „Auch wenn die Ermordeten dadurch nicht wieder lebendig werden, Mladic wird nun den Opfern und der Welt und dem Gericht Rede und Antwort stehen müssen.“

Im Sommer 1995 hatten serbische Soldaten nach der Eroberung der UN-Schutzzone Srebrenica in Bosnien rund 8000 muslimische Männer und Jugendliche ermordet und in Massengräbern verscharrt. Auch die jahrelange Belagerung von Sarajevo und die vielen Toten in der bosnischen Hauptstadt werden Mladic angelastet, ebenso wie „ethnische Säuberungen“ und Gräuel in Internierungslagern.