Srebrenica

Mladic muss gefunden werden – tot oder lebendig

15 Jahre nach Srebrenica fehlt von Ratko Mladic jede Spur. Dabei wäre es höchste Zeit, ihn zu finden. Egal, ob tot oder lebendig.

Foto: AFP

Ratko Mladic lebt. Auch wenn er auf der Flucht gestorben sein sollte. Er, der „Schlächter von Srebrenica“, hat sich in die nächsten Jahrhunderte eingebrannt. Kein Name hat den Bruderkrieg in Bosnien der 90er-Jahre so geprägt wie seiner. Sein Stempel für Serbien ist monströs. Und dieses Feuermal wächst, je länger sein Verbleib unklar ist.

Nicht nur durch den unleugbarem Genozid an den mehr als 8000 Muslimen am 11. Juli 1995, von denen noch immer nicht alle begraben werden konnten. Sondern weil der General Kopfgeldjäger und Geheimdienste an der Nase herumführt. In einer Zeit, in der GPS-Daten von jedem Handy geortet werden; in der Satelliten gestochenscharfe Fotos von einem Streichholzköpfchen schießen; in der Google jede Straßenlaterne kartografisch erfasst. Ein Skandal.

Der Vorwurf an Serbien, für die Auslieferung fehle der politische Wille, klingt logisch. Es stimmt, dass erst sieben Jahre nach Srebrenica ein serbischer Haftbefehl für Mladic erging. Mittlerweile hat sogar das serbische Parlament seine Gräueltaten "auf das Schärfste" verurteilt und sich bei den Hinterbliebenen entschuldigt. Der serbische Präsident will bei der Gedenkfeier in Bosnien erscheinen. Das war ein schwieriger Schritt, aber ein wichtiger für die Bewältigung der Kriegsvergangenheit.

Und das ist hoch anzuerkennen. Denn in dem Balkanland gibt es noch immer Tendenzen, die Mladics Auslieferung als Verrat betrachten, die das Massaker von 1995 mit den Massakern an den Serben im Zweiten Weltkrieg relativieren, die die Osmanische Herrschaft als Ausrede für den Genozid anführen. Mladic wird in diesem Kontext gerne als Mann dargestellt, der Korpsgeist besaß, Befehle befolgte und sein Volk beschützte. Genau deshalb gehört er vor Gericht. Damit die „Banalität des Bösen“ auf dem Balkan nie wieder eine Chance hat. Das gilt auch für seine Helfer, die ihn decken.

Nur dadurch ist das Eingeständnis von Verbrechen auf allen Seiten – bosnischer, kroatischer und serbischer – möglich. Und die Überwindung eines radikalen Nationalismus.

Es sollte daher im eigenen Sinne Serbiens sein, Mladic so schnell wie möglich zu finden. Ob er dabei lebendig gefunden wird oder nur seine Knochen, das ist fast egal. Es geht um den Einsatz. Jeder Stein sollte umgedreht, jede Berghütte durchforstet, jeder verdächtige Blutstropfen untersucht werden.

Auch wenn Mladic noch so viele Kontakte, Beschützer oder Bestechungsgelder besaß oder besitzt. Wenn er noch lebt, muss er notfalls im Rollstuhl vor den Richter gekarrt werden. Nicht nur für das Bosnien und Serbien von heute, sondern für die Zukunft der beiden Länder.

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