Gefasster Kriegsverbrecher

Ratko Mladic war der "Schlächter vom Balkan"

Von seinen Gegnern gehasst, von vielen Serben noch immer verehrt: Ratko Mladic gehörte zu den meistgesuchten Männern der Welt. Nach Meinung des UN-Kriegsverbrechertribunals ist er für die schlimmsten Verbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich.

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Ratko Mladic gehört zu den letzten Protagonisten der Balkan-Kriege, die vor das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag kommen.

Video: Reuters
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Das Massaker von Srebrenica im Osten Bosniens mit mindestens 8000 Toten bleibt für immer mit dem Namen Ratko Mladic verbunden. Wenige Monate vor Ende des Bürgerkriegs in Bosnien-Herzegowina (1992-1995) überrannten serbische Truppen unter seinem Befehl die zur UN-Schutzzone erklärte muslimische Enklave. Und während Mladic vor laufenden Kameras dem überrumpelten Kommandeur des niederländischen Blauhelm-Kontingents mit einem Glas Sliwowitz zuprostete, trieben seine Soldaten bereits die Gefangenen zu den späteren Hinrichtungsstätten.

„Der Schlächter vom Balkan“ oder „Schlächter Bosniens“, einst von seinen Gegnern gehasst und gefürchtet, wird von vielen seiner Landsleute auch heute noch als Kriegsheld verehrt. Entsprechend leicht war es ihm auch, seit 1995 angeblich unerkannt untergetaucht zu leben.

Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den heute 68- Jährigen angeklagt, im bosnischen Bürgerkrieg (1992-1995) die schlimmsten Verbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg angeordnet zu haben. Der von seinen Soldaten als begnadeter Stratege bewunderte General soll für die dreijährige Belagerung von Sarajevo ebenso verantwortlich sein wie für „ethnische Säuberungen“, die Gräuel in Internierungslagern sowie die Ermordung von bis zu 8000 Muslimen in Srebrenica.

International bekannt wurde der zwischen 1941 und 1943 – die Angaben dazu sind widersprüchlich – in Kalinovik südlich von Sarajevo geborene Mladic im Juli 1991, als er zum Stabschef der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) in Knin in Kroatien ernannt wurde. Er sorgte für die Unterstützung der serbischen Minderheit in diesem Teil Kroatiens bei ihrer Abspaltung von Zagreb. Diese „Hauptstadt“ der kroatischen Serben war denn 1995 auch erstes Ziel der kroatischen Schlussoffensive.

Im Mai 1992 stieg Mladic zum Armeechef der bosnischen Serben auf, plante die Eroberung Bosniens mit seinem – inzwischen in Den Haag einsitzenden – Chef Radovan Karadzic. Sein Credo lautete: „Niemals würde ich den Rückzug befehlen“ – auch wenn eine Million Opfer zu beklagen wären.

In den wenigen Interviews hat Mladic, der schon knapp über 20 die Militärakademie in Belgrad glänzend absolviert hatte, ein krauses Weltbild gezeichnet: Seine Vorbilder seien Hannibal und Alexander der Große, militärisch orientiere er sich an dem deutschen Panzergeneral Heinz Guderian, dessen „Nicht kleckern, sondern klotzen“ seine Maxime wurde. Für Aufsehen sorgte er vielmehr mit Äußerungen wie „Ich habe nichts gegen Eskimos, Kroaten oder Moslems“ oder „Ich bin gegen Kriegsspielzeug für Kinder“.

Zunächst gelang es Mladic, über 70 Prozent Bosniens besetzt zu halten, obwohl die Serben nur ein Drittel der Bevölkerung stellten. Erst gegen Kriegsende erzwangen Kroaten und Muslims – auch mit Unterstützung der Nato-Luftwaffe – einen Rückzug der Serben. Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Dayton verschwand Mladic still von der Bühne.

Trotz seiner damaligen Niederlage blieb der „gelernte Soldat“ Mladic bei den Serben als „Verteidiger der Heimat“ ein Idol. Das Kriegshandwerk hat seiner eigenen Familie aber tiefes Unglück gebracht. Sein Vater fiel als kommunistischer Partisan von der Hand der mit Hitler-Deutschland verbündeten kroatischen faschistischen Ustascha. Seine Tochter Ana nahm sich 1994 mit 23 Jahren das Leben - angeblich aus Entsetzen über die von ihrem Vater angerichteten Kriegsgräuel.