Schlächter von Bosnien

Mladic kommt vor UN-Kriegsverbrechertribunal

Ratko Mladic, ein seit Jahren als Kriegsverbrecher gesuchter serbischer Ex-General, ist verhaftet worden. Der Mann, dem Völkermord vorgeworfen wird, lebte jahrelang unbehelligt in Serbien. Jetzt wird er an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt.

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Serbische Polizei hat offenbar den meistgesuchten Kriegsverbrecher Ex-Jugoslawiens festgenommen - das bestätigte auch ein Freund der Familie, ein DNA-Test soll letzte Sicherheit geben.

Video: Reuters
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Der als Kriegsverbrecher gesuchte Serbengeneral Ratko Mladic ist nach Angaben des serbischen Staatsfernsehens RTS verhaftet. Der Geheimdienst habe am Donnerstagmorgen einen Mann mit dem Namen Milorad Komadic festgenommen, der auffällig viele biografische Merkmale des ehemaligen bosnisch-serbischen Generals aufweise, berichteten die Medien in Belgrad. Die Polizei führe zur Zeit einen genetischen Fingerabdruck durch, um die Identität des Mannes zweifelhaft festzustellen. Staatspräsident Boris Tadic hat für 13 Uhr überraschend eine Pressekonferenz eingerufen.

Die EU hat „allen Grund zu der Annahme“, dass es sich bei dem festgenommenen Verdächtigen in Serbien um den flüchtigen mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic handelt. Man werde die Bestätigung abwarten, hieß es am Donnerstag aus Brüssel.

Der Serbe Ratko Mladic ist einer der meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher der Balkan-Kriege und war seit Jahren auf der Flucht. Das UN-Sondertribunal für Jugoslawien in Den Haag hat zwei Anklagen wegen Völkermords gegen ihn erhoben.

Mladic wurde am 12. März 1942 in dem Dorf Bozanovici nahe Kalinovik im Süden der damaligen jugoslawischen Teilrepublik Bosnien geboren. Sein Vater war ein Widerstandskämpfer, der 1945 von kroatischen Nationalisten der Ustascha getötet wurde. Ursprünglich wollte Mladic Lehrer werden, zog aber nach Belgrad und schloss als einer der drei Besten seines Jahrgangs die Militärakademie ab.

Mladics militärische Laufbahn begann Mladic 1965. Es dauerte 20 Jahre, bis er Brigadegeneral wurde. Menschen, die ihn kannten, machten Mladics arrogante, undisziplinierte Art dafür verantwortlich machten. Die meiste Zeit war er in Mazedonien stationiert, mit kurzen Aufenthalten in Kroatien und im Kosovo.

Am 15. Mai 1992 machte Radovan Karadzic, Chef der von Bosnien-Herzegowina abgespaltenen Bosnisch-Serbischen Republik, Mladic zum Kommandeur seiner Armee. Diese Position hatte Mladic bis Dezember 1996 inne.

Im Juli 1995 überrannten Mladics Streitkräfte die bosnische Stadt Srebrenica, die zum damaligen Zeitpunkt eine moslemische Enklave war und von UN-Truppen geschützt wurde. Männer und Jungen wurden weggeführt, in Scheunen und Schulen zusammengepfercht und schließlich in aller Öffentlichkeit exekutiert. Mladics Einheiten beschossen zudem eine größere Gruppe von Moslems, die durch ein Waldgebiet zu entkommen versuchte. Innerhalb von sieben Tagen starben etwa 8000 Männer und Jungen, was Mladic die Bezeichnung "Schlächter von Bosnien" einbrachte.

Ende 1995 erhob das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag unter anderem wegen Srebrenica Anklage wegen Völkermordes gegen Mladic. Derselbe Vorwurf wird Mladic für fast zweijährige Belagerung von Sarajevo gemacht. Er soll Scharfschützen angewiesen haben, aus dem Hinterhalt auf Zivilisten zu schießen. Noch Jahre nach dem Krieg lebte Mladic unauffällig in Belgrad. Er tauchte 2002 unter, als Machthaber Slobodan Milosevic gestürzt worden war und ihn nicht mehr schützen konnte. Der Nato zufolge besuchte er 2004 einen alten Bunker in Bosnien, um unter den Augen der bosnischen Polizei mit ehemaligen Kameraden zu feiern.