Vergewaltigungsvorwurf

Ehefrau kämpft um den Ruf von Strauss-Kahn

Ob Affären oder Korruptionsvorwürfe - Anne Sinclair stand bisher stets zu ihrem Mann Dominique Strauss-Kahn. Auch im Fall der Vergewaltigungsvorwürfe gibt sie sich unerschütterlich.

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Nach Angaben ihres Anwalts soll das möglicherweise von Dominique Strauss-Kahn belästigte Zimmermädchen ihren vermeintlichen Angreifer nicht gekannt haben

Video: Reuters
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Mag ihr Mann seine Probleme mit Frauen haben - seine Ehefrau steht unerschütterlich zu ihm. Die bekannte französische Fernsehjournalistin Anne Sinclair, die ihre Karriere zugunsten der seinen aufgab, ist die starke Frau hinter IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn und allzeit bereit, ihn „mit Zähnen und Klauen“ zu schützen. Gelegenheit dazu hatte sie in 20 Jahren Ehe genug.

So wie Sinclairs Bekanntheit und Ehrgeiz seinem politischen Aufstieg hilfreich waren, so energisch warf sie sich mit ihrem Vermögen und ihrem Einfluss immer wieder in politischen, Finanz- und Sexaffären zu seiner Verteidigung in die Bresche. Diese Loyalität wird derzeit wohl auf die bislang härteste Probe gestellt.

Der schockierende Vorwurf, ihr Mann habe ein Zimmermädchen zu vergewaltigen versucht, scheint sie vorerst nicht zu erschüttern. Noch am Montag eilte sie von Paris nach New York, wo der in Frankreich kurz DSK genannte Politiker inzwischen auf der berüchtigten Gefängnisinsel Rikers Island in einer Einzelzelle sitzt und wegen Selbstmordgefahr ständig überwacht wird, um ihm zur Seite zu stehen.

Seit seiner Verhaftung am Sonntag gab sie nur eine knappe Stellungnahme ab, kurz und bündig: „Ich glaube nicht eine Sekunde lang die Anschuldigungen sexueller Nötigung gegen meinen Mann. Ich bin sicher, dass seine Unschuld erwiesen werden wird.“

"Er hat viele Fehler – aber diesen nicht“

Freunde, die seit der Festnahme mit ihr gesprochen haben, schildern sie in französischen Medien als „sehr stark, sehr kampfeslustig“. Die Zeitung „Le Parisien“ zitierte einen mit der Einschätzung: „Sie tut alles für ihn.“ Auch ihre Vorgängerin, Strauss-Kahns zweite Ehefrau Brigitte Guillemette, sprang dem Beschuldigten bei. „Er ist ein sehr sanftmütiger Mensch, Gewalt gehört nicht zu seinem Wesen. Er hat viele Fehler – aber diesen nicht!“, sagte sie „Le Parisien“.

Von der Festnahme erfuhr Sinclair dem Blatt zufolge am späten Samstagabend in Paris, wo sie an der Geburtstagsfeier des Sängers und Schauspielers Patrick Bruel teilnahm.

Es ist nicht das erste Mal, dass Sinclair unerschütterlich zu ihrem Mann steht. Ende 1999 trat Strauss-Kahn als Superminister für Wirtschaft und Finanzen in Paris ab. Dabei ging es damals um die Frage, ob er als Wirtschaftsanwalt vor seiner Ministerzeit 92.000 Euro kassiert hatte für eine Beratung, die er in Wirklichkeit gar nicht erbracht hatte. Strauss-Kahn wurde damals freigesprochen – doch das Verfahren dauerte zwei Jahre.

Zuletzt hatte sie ihren Mann im Oktober 2008 wegen einer Affäre mit einer IWF-Mitarbeiterin in Schutz genommen, die ihn beinahe den Job gekostet hätte. Die Kränkung und Demütigung können wohl nur Ehefrauen anderer prominenter Politiker nachvollziehen, die wegen ihres Sexuallebens öffentlich Rechenschaft ablegen mussten – Hillary Clinton vielleicht oder Maria Shriver, deren Mann Arnold Schwarzenegger gerade erst ein uneheliches Kind mit einer Hausangestellten beichtete.

Damals musste er sich entschuldigen und eine „schwerwiegende Fehleinschätzung“ einräumen. Sie schrieb in ihrem Blog: „Solche Dinge können in jeder Partnerschaft passieren.“ Für sie sei die Sache erledigt und ein neues Kapitel aufgeschlagen. „Und wir lieben uns noch immer wie am ersten Tag.“

Status und Vermögen

Sinclair ist 62, so alt wie Strauss-Kahn. Sie lernten sich 1989 kennen und heirateten 1991; für sie war es die zweite und für ihn die dritte Ehe. Strauss-Kahn war damals Industrieminister und galt als ein kommender Mann bei den Sozialisten. „Lange Zeit waren es ihre Verbindungen, ihre Medienprominenz, ihr gesellschaftlicher Status und ihr Vermögen“, die ihm beim Aufstieg behilflich waren, schrieb „Liberation“ einmal.

Sie stammt aus einer wohlhabenden Familie, die in der Nazizeit aus Frankreich in die USA emigriert war; ihr Großvater Paul Rosenberg war ein bekannter Kunsthändler, der unter anderen Picasso vertrat. 1948 in New York geboren, wuchs sie in Paris im noblen 16. Arrondissement auf. Sie studierte und begann mit 25 als Journalistin beim Radiosender Europe 1. Später ging sie zum Fernsehen und wurde in den 80er- und 90er-Jahren als Moderatorin einer der populärsten Sendungen Frankreichs bekannt: In „7/7“ hatte sie sonntagabends internationale Größen aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness zu Gast und regelmäßig zehn bis zwölf Millionen Zuschauer. Sinclair zählte zu den bestbezahlten und einflussreichsten Journalisten Frankreichs.

Auf der Höhe des Ruhms gab sie 1997 ihre Karriere auf: Ihr Mann wurde Finanzminister, und sie wollte Interessenkonflikte vermeiden. Ende der 90er-Jahre gab es zwei Finanzskandale. Strauss-Kahn musste wegen eines Falles als Finanzminister zurücktreten, wurde später aber vor Gericht entlastet. Sinclair war stets an seiner Seite; die Geschichte des Paars in guten und schlechten Zeiten war Magazinen Titelgeschichten wert. „Paris Match“ zitierte sie mit dem Satz: „Um meinen Mann zu verteidigen, bin ich bereit, mit Zähnen und Klauen zu kämpfen.“ Das ist sie zehn Jahre später immer noch.