Milchskandal

Hartes Urteil für chinesischen Bürger-Aktivisten

Der Vater eines Milchskandal-Opfers muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Er hatte sich für die Eltern erkrankter Babys eingesetzt.

Foto: AP / AP/DAPD

Ein chinesischer Aktivist, der sich für die Opfer des Milchskandals einsetzte, ist zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Zhao Lianhai gründete eine Unterstützergruppe für Eltern, deren Kinder durch verseuchtes Milchpulver krank geworden waren, wie sein Anwalt mitteilte. Das Gericht habe die nun verhängte Gefängnisstrafe damit begründet, der Aktivist habe soziale Unruhe geschürt. Nach dem Bekanntwerden des Skandals im Jahr 2008 habe er sich für Ausgleichszahlungen stark gemacht und Rechenschaft gefordert.

„Es ist so ein hartes Urteil“, sagte der Anwalt Li Fangping. „Die Verbrechen, derer er bezichtigt wurde, waren nichts anderes als das, was normale Bürger zur Wahrung ihrer Interessen tun.“ Zhao habe angekündigt, Berufung einzulegen. Er sei aus Protest gegen das Urteil in den Hungerstreik getreten, sagte Li weiter. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte die Strafe. Der Aktivist sei kein Krimineller, sondern habe Kinder beschützen wollen, erklärte Amnesty.

In einem der bislang größten Lebensmittelskandale in China waren 2008 mindestens sechs Kinder an den Folgen einer Melamin-Verseuchung von Milchpulver gestorben, mehr als 300.000 erkrankten. Obwohl mehrere Verantwortliche danach zu harten Strafen verurteilt wurden, äußerten Beobachter immer wieder Zweifel, ob die Regierung an einer vollständigen Aufklärung der Vorgänge interessiert sei. Zhao hatte eine Website eingerichtet und dort Informationen über den Skandal gesammelt.

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