Nakba-Tag

Israels Generalstabschef räumt Fehler ein

Nach Auseinandersetzungen mit Toten und Verletzten am Nakba-Tag hat die israelische Armeeführung Fehler eingeräumt. Die Soldaten waren gegen den Sturm auf Israels Grenzen offenbar nicht ausreichend vorbereitet.

Israels Armeeführung hat nach den palästinensischen Massenprotesten an den Landesgrenzen mit vielen Toten und Dutzenden Verletzten Fehler eingestanden. Der israelische Rundfunk meldete am Montag, Generalstabschef Benny Ganz habe die Vorfälle an der Grenze zwischen Syrien und den von Israel besetzten Golanhöhen als „nicht gut“ eingestuft. Er habe die zuständigen Truppen angewiesen, eine Untersuchung des Vorgehens am Nakba-Tag einzuleiten. Die Palästinenser erinnern am Tag der Nakba (Katastrophe) an die Flucht und Vertreibung Hunderttausender nach der israelischen Staatsgründung von 1948.

Erstmals seit Jahrzehnten war es am Sonntag Hunderten von Demonstranten gelungen, von Syrien her die israelische Grenze auf den besetzten Golanhöhen zu durchbrechen. Die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete am Montag, vier Menschen seien an der syrisch-israelischen Grenze getötet worden. Augenzeugen auf der syrischen Seite sprachen sogar von zehn getöteten Demonstranten. Insgesamt 210 Menschen wurden laut Sana verletzt.

An der Grenze zum Libanon wurden nach Informationen der Nachrichtenwebsite „Libanon Now“ elf Palästinenser getötet. Die libanesische Armee sprach von mehr als 100 Verletzten. Bei einem Marsch tausender Palästinenser im Gazastreifen zum israelischen Grenzübergang Eres wurden ein Palästinenser getötet und mehr als 80 weitere verletzt. Auch bei Krawallen im Westjordanland und Ost-Jerusalem gab es Verletzte. Seit Sonntagabend herrscht allerdings wieder weitgehend Ruhe. Eine israelische Armeesprecherin sagte am Montag in Tel Aviv, an den Grenzen seien in der Nacht keine weiteren Vorfälle verzeichnet worden.

Bei einer pro-palästinensichen Demonstration vor der israelischen Botschaft in Kairo kam es in der Nacht zu Ausschreitungen. Wie der Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, gingen Sicherheitskräfte mit Gummigeschossen und Tränengas gegen Demonstranten vor, die die Vertretung stürmen wollten. Mindestens 40 Menschen seien verletzt worden.

Der Tag der "Nakba", der Katastrophe, erinnert an den Tag der Gründung des Staates Israel - und an Flucht und Vertreibung der Palästinenser im Krieg von 1948/49. Der Historiker Benny Morris geht davon aus, dass es sich damals um 600.000 bis 760.000 palästinensische Flüchtlinge handelte, die UN zählten 711 000. Laut Statistiken ist diese Zahl durch deren Nachkommen auf 4,8 Millionen angewachsen. Umgekehrt gab es auch Hunderttausende jüdische Flüchtlinge, die sich infolge des arabisch-israelischen Krieges zur Flucht genötigt sahen oder vertrieben wurden. So wurde die jüdische Bevölkerung in arabischen Ländern zwischen 1948 und 1958 von 856.000 auf 475.000 fast halbiert. Bis Mitte der Siebzigerjahre hatten mehr als 820.000 Juden diese Länder verlassen.