KZ-Wächter Demjanjuk

Schuldig - Beihilfe zum Mord an 28.000 Menschen

John Demjanjuk ist schuldig gesprochen: Der heute 91-jährige soll als KZ-Wchmann Tausende Juden in die Gaskammern getrieben haben. Nun wurde das Urteil gefällt. Sein Verteidiger kündigt Berufung an.

Das Landgericht München hat den KZ-Wachmann John Demjanjuk wegen Beteiligung am Massenmord der Nazis zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der mittlerweile 91-jährige gebürtige Ukrainer im Zweiten Weltkrieg Teil des Machtapparats der Nazis war und sich bereitwillig an Vernichtung der Juden beteiligte, wie Richter Ralph Alt am Donnerstag erklärte. Als Kriegsgefangener hat Demjanjuk demnach den Nazis 1943 im Vernichtungslager Sobibor im heutigen Polen geholfen und mehr als 28.000 Menschen vorwiegend jüdischen Glaubens in die Gaskammern getrieben.

Ein Dutzend Holocaust-Überlebende und Angehörige von Opfern aus den Niederlanden nahmen als Nebenkläger an der Urteilsverkündung teil. Demjanjuk nahm das Urteil am 93. Verhandlungstag ohne jede Regung auf. Der gebürtige Ukrainer, der das Verfahren von einem Rollbett neben der Richterbank mit einer Sonnenbrille über den Augen verfolgte, hat in dem fast eineinhalbjährigen Prozess geschwiegen. Auch am Prozessende verzichtete er auf ein Schlusswort.

Keine konkrete Tat zugeschrieben

Der vermutlich letzte große Prozess um Nazi-Verbrechen hatte Ende November 2009 begonnen und sich seit vor allem wegen immer neuer Beweisanträge der Verteidigung hingezogen. Sie hatte Freispruch gefordert, sah keinen Beweis für die Vorwürfe. Als Beweismittel hatten die Ermittler unter anderem den Dienstausweis Demjanjuks vorgelegt. Zudem wurde stets betont, dass der einst meistgesuchte Kriegsverbrecher als bewaffneter Wachmann hätte fliehen können.

Zwar konnte Demjanjuk keine konkrete Tat zugeschrieben werden. Das Gericht schloss sich jedoch der Argumentation der Anklage an: Da das Lager Sobibor im besetzten Polen allein zur planmäßigen Ermordung von Menschen diente, habe sich jeder mitschuldig gemacht, der dort Dienst tat. Das Gericht blieb mit dem Urteil leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft zurück. Diese hatte sechs Jahre Haft beantragt.

Demjanjuks Verteidiger Ulrich Busch kündigte bereits vor dem Urteil an, beim Bundesgerichtshof (BGH) in Revision gehen zu wollen. Der BGH werde dieses Urteil „ziemlich sicher aufheben“. Es werde nicht der Logik des Landgerichts folgen und einen konkreten Beweis verlangen.

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