Plagiats-Vorwurf

Stoiber-Tochter Saß wehrt sich gegen Uni-Entscheid

Veronica Saß, Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, will gegen die Aberkennung ihres Doktortitels juristisch vorgehen. Die Uni Konstanz wirft ihr vor, weite Teile ihrer Dissertation abgeschrieben zu haben.

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Die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), Veronica Saß, darf nicht länger den Doktortitel tragen. Nach umfassender Prüfung ihre Dissertation sei der Promotionsausschuss zu dem Ergebnis gekommen, dass erhebliche Teile der Arbeit Plagiate seien , teilte die Universität am Mittwoch in Konstanz mit. Die Universität habe daraufhin entschieden, ihr den Doktorrang abzuerkennen.

Indessen stellte die Universität Bayreuth ihren Abschlussbericht zur Überprüfung der Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg vor. Das Urteil kann vernichtender kaum sein: Der Ex-Verteidigungsminister hat weite Teile seiner Doktorarbeit planmäßig abgeschrieben und vorsätzlich getäuscht. 48 Passagen listet die Selbstkontrollkommission der Wissenschaft der Universität in der 475 Seiten umfassenden Dissertation auf, die Guttenberg wortwörtlich übernommen hat, ohne die Autoren eindeutig zu zitieren.

Veronica Saß lkieß mitteilen, den Entschluss der Hochschule nicht hinnehmen zu wollen. Ihre Münchner Rechtsanwälte erklärten, die Entscheidung der Uni Konstanz sei falsch. Man werde sie vor den Verwaltungsgerichten anfechten. Saß sei nicht die Möglichkeit gegeben worden, „nach der bevorstehenden Geburt ihres Kindes persönlich vor dem Promotionsausschuss Stellung zu nehmen“.

Der Doktorgrad sei entzogen worden, weil die rechtlichen Voraussetzungen für seine Verleihung nicht vorgelegen hätten, erklärte indessen Rektor Ulrich Rüdiger. Er verwies auf die Regeln wissenschaftlicher Redlichkeit, wonach eine Doktorarbeit ein eigenständiger wissenschaftliche Beitrag zum Fortschritt eines Faches sein muss.

Fast 40 Seiten am Stück kopiert

An der Universität Konstanz erkläre jeder Doktorand bei Abgabe der Dissertation, dass die Arbeit selbst verfasst und fremde Literatur als solche gekennzeichnet sei. "Wird diese Grundregel wissenschaftlicher Redlichkeit nachweislich verletzt, ist es an der Universität, ihr wieder Geltung zu verschaffen“, betonte Rüdiger.

Saß soll bei ihrer rechtswissenschaftlichen Doktorarbeit mit dem Titel "Regulierung im Mobilfunk“ zahlreichen Stellen von anderen Autoren abgeschrieben und damit die Standards wissenschaftlichen Zitierens verletzt haben. Nach Recherchen der Internet-Plattform VroniPlag sollen sich in der Dissertation auf 328 reinen Textseiten (ohne Inhalts- und Literaturverzeichnis) unterschiedlich schwerwiegende Plagiate finden - insgesamt 53,98 Prozent der gesamten Arbeit. Laut VroniPlag erstreckt sich eines der mutmaßlichen Plagiate fast durchgängig über fast 40 Seiten - wortwörtlich. Sogar Überschriften, die Gliederung und die Quellenarbeit sollen mitkopiert worden sein.

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Auf der VroniPlag - ein sogenanntes "Wiki", dessen Nutzer Inhalte lesen und auch bearbeiten können - wurden inzwischen von einer Vielzahl von Internet-Nutzern mutmaßliche Plagiate in der Dissertation untersucht. Unter anderem soll die Juristin Zeitungsartikel, Pressemitteilungen von Verbänden sowie Artikel der freien Internet-Enzyklopädie Wikipedia verwendet haben, ohne die Quellen in ihrer Arbeit zu nennen. Die Hamburger Rechtsanwältin Tanja Eisenblätter wirft Saß vor, bei ihr abgeschrieben zu haben. „25 Seiten wurden wortwörtlich übernommen, ohne Nennung der Quelle“, kritisierte Eisenblätter.

VroniPlag legt dabei die selben Maßstäbe an wie das Wiki GuttenPlag , dessen Veröffentlichungen letztlich zum Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) führten. Dabei wurden angeblich kopierte Passagen aus zu Guttenbergs Dissertation und die mutmaßlichen Originale gegenübergestellt. Die Verdachtsfälle werden untersucht, mutmaßliche Plagiate anschließend abhängig vom Ausmaß der angeblichen Kopie in verschiedene Klassen eingeteilt, vom "Komplettplagiat" über die "Verschleierung" (umformulierte Orginialtexte, deren Urheber nicht angegeben wurden) bis hin zum "Bauernopfer" (der Urheber wird nur für einen unbedeutenden Textteil ausgewiesen, während wesentliche Passagen ohne Nennung übernommen wurden).

Uni Bayreuth zieht aus Fall Guttenberg Konsequenzen

Die Universität Bayreuth will nun aus dem Fall Guttenberg (CSU) Konsequenzen ziehen. Es sollen einheitliche Qualitätsmaßstäbe für Promotionsverfahren erarbeitet werden, sagte Uni-Präsident Prof. Rüdiger Bormann am Mittwoch bei der Vorlage des Abschlussberichtes. Bormann kündigte an, dazu externen Sachverstand hinzuzuziehen.

>>> Der Kommissionsbericht der Uni Bayreuth zu den Plagiatsvorwürfen gegen Guttenberg im Original:

Die Kommission der Hochschulleitung „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ kam zu dem Schluss, dass Guttenberg bei seiner Doktorarbeit die Standards guter wissenschaftlicher Praxis grob verletzt und die Prüfungskommission vorsätzlich getäuscht hat. Die Hochschule hatte Guttenberg bereits am 23. Februar den Doktortitel aberkannt. Am 1. März legte Guttenberg sein Ministeramt nieder. In einer Stellungnahme zum Abschlussbericht räumte Guttenberg gravierende Fehler bei seiner Doktorarbeit ein. Die Arbeit sei ihm „teilweise über den Kopf gewachsen“. Gegen Karl-Theodor zu Guttenberg liegt mittlerweile sogar ein Strafantrag eines Plagiatsopfers vor .

Gegen die FDP-Vorzeigefrau Silvana Koch-Mehrin wurde am Mittwoch ein förmliches Verfahren zum Entzug ihres Doktortitels eingeleitet .