Gefälschte Fragebögen

Zensus – Haben Sie Ihren Penis vergrößern lassen?

Welche Drogen nehmen Sie? Soll die Prügelstrafe wieder eingeführt werden? Im Internet kursieren gefälschte Zensus-Fragebögen - die in einigen Städten auch in Briefkästen eingeworfen wurden. Das Statistische Bundesamt kontert jetzt..

Foto: dpa / dpa/DPA

Der falsche Fragebogen sieht dem Original nur entfernt ähnlich - die Gemeinsamkeit beschränkt sich auf das Zensus-Logo und darauf, dass beide als PDF-Dokkumente als Download zu haben sind. Ansonsten sind es vor allem inhaltliche Unterschiede, die auffallen: Die Fragen in der Fälschung sind so, dass man beim Lesen schnell merkt: ist wohl Satire. Auf der offiziellen Seite des Zensus 2011 weisen das Statistische Bundesamt und die Statistischen Landesämter auf die Fälschungen hin (" auf Grund der gestellten Fragen leicht zu erkennen ") und auch darauf, dass Ausdrucke der PDF-Dokumente in mehrere Städten in Briefkästen eingeworfen wurde.

Auf den Fragebogen-Parodien wird unter anderem gefragt, ob man homo- oder heterosexuell sei, erbliche Krankheiten habe und welche Partei man bei der jüngsten Bundestagswahl gewählt hat. In der Mitteilung der Volkszählungs-Organisation Zensus 2011 heißt es dazu: "Derartige Fragen sind auf dem offiziellen Erhebungsbogen zur Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis zum Zensus 2011 nicht enthalten." Zudem landen die echten Fragebögen nicht einfach so im Briefkasten. "Der offizielle Erhebungsbogen wird den zu befragenden Bürgerinnen und Bürgern nach schriftlicher Vorankündigung ab 10. Mai von den Erhebungsbeauftragten persönlich überbracht." Das Statistische Bundesamt und die Statistischen Landesämter, heißt es weiter, "prüfen den Sachverhalt und behalten sich rechtliche Schritte gegen den/die Urheber der Fälschung vor".

Gefragt wird auf dem gefälschten Fragenbogen unter anderem:

  • "Welche sexuelle Orientierung haben Sie?" Antwortmöglichkeiten: Heterosexuell, Nicht heterosexuell
  • "Sind sie für die Wiedereinführung der Prügelstrafe in öffentlichen Bildungseinrichtungen?" Antwortmöglichkeiten: Ja, Nein
  • "Aus welchen Gründen sind Sie in das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugezogen?" Antwortmöglichkeiten: Aus Perspektivlosigkeit, Aussicht auf ein höheres Gehalt, Verfolgung im Heimatland, Die große Liebe
  • "Fühlen Sie sich deutsch?" Antwortmöglichkeiten: Ja (bitte Nachweis hinzufügen), Nein
  • "Arbeiten sie schwarz?" Antwortmöglichkeiten: Ja Nein
  • "Welche Drogen (ausgenommen Tabak und Alkohol) konsumieren Sie?" Antwortmöglichkeiten: Cannabis, Heroin, LSD, Amphetamine, Kokain, Schokolade, Antidepressiva
  • "Haben Sie bereits einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen?" Antwortmöglichkeiten: Ja, Nein
  • "Sind Ihre Eltern strafrechtlich in Erscheinung getreten?" Antwortmöglichkeiten: Ja, Nein
  • "Haben Sie eine Brust- bzw. Penisvergrößerung durchführen lassen?" Antwortmöglichkeiten: Ja, Nein
  • "Welche Maßnahmen halten sie für angebracht, um Ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten?" Antwortmöglichkeiten: Ein ausgeprägtes Spitzelsystem, Kameraüberwachung aller Straßen und Plätze, Überwachung sämtlichen Telefon- und Internetverkehrs, Generelles Einpflanzen von RFID- Chips zur Ortung sämtlicher Personen, Herabsetzung der Voraussetzungen für die Sicherheitsverwahrung von Straftätern, Wiedereinführung der Todesstrafe
  • "Welches politische System würden Sie in Deutschland bevorzugen?" Antwortmöglichkeiten: Kommunismus, Diktatur, Monarchie, Demokratie, Anderes
  • "Wären Sie bereit gegen Bezahlung Informationen über Ihr Umfeld preiszugeben?" Antwortmöglichkeiten: Ja, Nein.

Zusätzlich enthält der Fragebogen Hinweise wie: "Die Erstellung des Fragebogens erfolgte in Anlehnung an die Erkenntnisse der Volkszählungen von 1933 und 1939" und "Zur Finanzierung des Zensus 2011 behalten wir uns vor Ihre Daten an Dritte weiterzuverkaufen."

Wer einen gefälschten Fragebogen in die Hände bekommt, soll sich an das jeweils zuständige statistische Amt wenden oder an die jeweilige Erhebungsstelle. Die Erhebungsstelle in Berlin hat ihren Standort in Tiergarten (Alt-Moabit 90a, 10559 Berlin, Telefon 030/902299888, Telefax: 030/9028-061, E-Mail: zensus-bln-ehst@zensus-bbb.de). Eine Übersicht zur Volkszählung in Berlin und Brandenburg gibt es auf einer eigens eingerichteten Website .

Wegen der unterschiedlichen Wohn- und Lebensverhältnisse werden bei der Volkszählung in Berlin deutlich weniger Menschen befragt als in Brandenburg. Alle 220.000 Berliner und 560.000 Brandenburger Immobilienbesitzer erhalten einen Fragebogen per Post. Zusätzlich werden zufällig ausgewählte Bürger befragt: in Berlin 126 000 Einwohner (rund vier Prozent der Bevölkerung), in Brandenburg 300 000 Einwohner (rund 12 Prozent der Bevölkerung). Auch in Gemeinschaftsunterkünften wie Gefängnissen und Wohnheimen wird gefragt. Für Berlin geht es dabei um etwa 67.000 Plätze in solchen Unterkünften, für Brandenburg um etwa 55.000. Die Kosten für den Zensus liegen für die Region bei etwa 60 Millionen Euro.