Islamisten-Websites

Al-Qaida bestätigt Tod Bin Ladens und droht USA

Das Terrornetzwerk al-Qaida hat den Tod seines Führers Osama Bin Laden bestätigt: In islamistischen Internet-Foren wurde eine Mitteilung des Terrornetzwerkes verbreitet - und Vergeltung angekündigt.

Das Video konnte nicht gefunden werden.

Hunderte Pakistaner demonstrieren gegen die Amerikaner und kritisieren die Tötung Osama Bin Ladens. Al-Qaida bestätigte unterdessn den Tod des Terror-Chefs.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Die Terrororganisation al-Qaida hat den Tod von Osama Bin Laden bestätigt. Das berichtet die Organisation SITE . Laut SITE wurde der Tod des Al-Qaida-Führers von der Terrororganisation in mehreren islamistischen Internet-Foren bekanntgegeben. „Du bist als Märtyrer gestorben“, hieß es in einer Stellungnahme, die am Freitag in mehreren islamistischen Internet-Foren erschien. Die SITE Intelligence Group wertet islamistische Internetseiten aus und bietet die Ergebnisse ihrer Arbeit unter anderem Regierungen und Nachrichtenagenturen an.

Al-Qaida kündigte demnach an, „ohne Zögern und Widerwillen“ den „Pfad des Dschihad“ fortzusetzen. Der Tod Bin Ladens werde „zu einem Fluch für die Amerikaner“ und ihre Helfer werden, „der sie in- und außerhalb ihrer Länder verfolgen wird“. In der Erklärung rief al-Qaida zudem die pakistanischen Muslime zum Aufstand auf, um die „Schande“ der Tötung Bin Ladens zu tilgen, die durch eine „Bande von Verrätern und Dieben“ über sie gebracht worden sei.

Nach Angaben von SITE ruft al-Qaida in der Mitteilung unter anderem die Bewohner Pakistans zum Aufstand auf. Man rufe "unsere Muslime in Pakistan, auf deren Land Scheich Osama getötet wurde" dazu auf, "sich zu erheben und sich aufzulehnen", heißt es bei Twitter, wo Ausschnitte aus der Mitteilung über den Twitter-Account von SITE wiedergegeben werden. An die USA gerichtet heißt es in der Mitteilung außerdem: "Amerika und diejenigen, die in Amerika leben, werden niemals in Sicherheit sein, solange die Menschen in Palästina nicht in Sicherheit leben." Der Tod Osama Bin Ladens werde sich erweisen als "ein Fluch, der die Amerikaner und ihre Agenten jagt und sie in und außerhalb ihrer Länder verfolgt".

Posthume Botschaft Bin Ladens angekündigt

Zudem wurde die „baldige“ Veröffentlichung einer Audiobotschaft Bin Ladens zu den Aufständen in der arabischen Welt angekündigt. Diese sei eine Woche vor seinem Tod aufgezeichnet worden.

Das US-Heimatschutzministerium warnte unterdessen, al-Qaida habe am kommenden 11. September Anschläge geplant. Ministeriumssprecher Matt Chandler sagte, al-Qaida habe seit Februar 2010 geplant, „Operationen gegen Züge an unbestimmten Orten in den Vereinigten Staaten zum zehnten Jahrestag des 11. September 2001 auszuführen“. Einer Quelle zufolge stammen diese Informationen von Datenträgern, die in Bin Ladens Anwesen in Abbottabad sichergestellt wurden. Die Daten zeigen demnach, dass Bin Laden weiter aktiv an den al-Qaida-Planungen beteiligt war.

Bei der US-Kommandoaktion waren fünf Computer, zehn Festplatten und hundert Datenträger mitgenommen worden. US-Regierungsvertretern zufolge haben Experten mit der Auswertung der Daten begonnen. Zunächst würden die Daten nach Anschlagsplänen und Angaben zu ranghohen Mitgliedern des Terrornetzwerks gesichtet, sagte der Chef des nationalen Anti-Terror-Zentrums Michael Leitner.

Laut der „Washington Post“ unterhielten die USA in Abbottabad einen CIA-Posten zur Überwachung Bin Ladens. Die von den Agenten gesammelten Informationen hätten zu dem Einsatz gegen den Terrorchef geführt. Das Haus, in dem Bin Laden getötet wurde, wurde am Freitag von pakistanischen Sicherheitskräften abgeriegelt und für Medienvertreter gesperrt. Die Anwesenheit der Medien habe die Ermittlungen behindert, erklärte die Polizei.

Proteste gegen Tötungsaktion

Beim ersten US-Drohnenangriff in Pakistan seit Bin Ladens Tod wurden am Freitag nach Angaben aus Geheimdienstkreisen zehn Menschen getötet und vier weitere verletzt. Der Angriff ereignete sich in Nord-Waziristan, einer Hochburg von Al-Kaida und den Taliban, nahe der Grenze zu Afghanistan. Ob der Angriff mit der Kommandoaktion gegen Bin Laden in Zusammenhang stand, war den Geheimdienstinformationen zufolge zunächst unklar.

Nahe der pakistanischen Stadt Quetta versammelten sich hunderte Anhänger einer islamistischen Partei, um Bin Laden zu huldigen. Die Menschen riefen „Lang lebe Osama“ sowie „Tod für USA“ verbrannten eine US-Flagge. In der ägyptischen Hauptstadt Kairo demonstrierten rund 500 Menschen gegen die Tötung des Terroristenchefs. Auch in der türkischen Metropole Istanbul versammelten sich vor einer Moschee im konservativen Viertel Fatih rund 200 Menschen zu einer ähnlichen Kundgebung

Neue Einzelheiten bekannt gegeben

Der UN-Ermittler für außergerichtliche Tötungen rief die USA am Freitag auf, weitere Einzelheiten des Angriffs auf Bin Laden zu veröffentlichen. Washington solle alle Fakten aufdecken, forderte der südafrikanische Jura-Professor Christof Heyns. Nur so könne untersucht werden, ob die Tötung Bin Ladens mit den Grundsätzen des Menschenrechts vereinbar gewesen sei. „Insbesondere ist es wichtig zu wissen, ob die Planung der Mission auch eine Festnahme Bin Ladens zugelassen hätte“, sagte Heyns.

Unterdessen wurde bekannt, dass Bin Laden kurz vor seinem Tod offenbar nicht mehr über große finanzielle Reserven mehr verfügte. Zudem sei das Terrornetzwerk in zwei Gruppen gespalten, von denen die größere von der mutmaßlichen Nummer Zwei der Organisation, Aiman al-Sawahri, kontrolliert werde, sagte ein ranghoher Mitarbeiter des pakistanischen Geheimdienstes am Donnerstag vor einer kleinen Gruppe pakistanischer Journalisten.

Nach pakistanischen Geheimdienstinformationen lebte eine Ehefrau des getöteten al-Qaida-Chefs nach eigenen Angaben sechs Jahre lang in dem Versteck des Terroristen in Abbottabad. Während dieser Zeit habe sie die oberen Stockwerke des Gebäudes nicht verlassen, erklärte ein Geheimdienstmitarbeiter. Er sagte nicht, ob die Frau darüber sprach, dass auch Bin Laden seit 2006 in dem Haus lebte.

Die im Jemen geborene Frau ist eine von drei Ehefrauen Bin Ladens, die derzeit in Pakistan verhört werden. Zudem werden noch acht bis neun Kinder von den Behörden festgehalten, die während des US-Kommandoeinsatzes in dem Haus vorgefunden wurden. Ihre Berichte sollen einen Einblick geben, was Bin Laden in jener Zeit getan hat und möglicherweise Hinweise auf die inneren Strukturen der al-Qaida liefern.