Atommülltransport

Castor-Zug ohne Störung durch Brandenburg

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Der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Müll hat das Land Brandenburg durchquert. Es war nur eine kurze Fahrt auf dem Weg zu seinem eigentlichen Ziel in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Castor-Transport hat am Donnerstag Brandenburg ohne Störung auf dem Weg nach Mecklenburg- Vorpommern durchquert. Der Zug mit hoch radioaktivem Müll war keine halbe Stunde im Land, weil die Strecke durch die Prignitz nur etwa 30 Kilometer betrug. Rund 450 Polizisten sicherten den Transport nach Angaben eines Polizeisprechers. Es sei jedoch zu keinen Zwischenfällen gekommen. Am Bahnhof Wittenberge (Prignitz) hätten lediglich knapp ein Dutzend Atomkraftgegner friedlich mit Plakaten protestiert. Die Vorsitzende der Grünen im Landkreis Prignitz, Bärbel Treutler, sagte: „Es tut schon weh, dass er hier einfach so durchrauscht.“

Kurz nach 9 Uhr hatte der Zug die Elbbrücke bei Wittenberge an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt passiert. Bundespolizeisprecher Meik Gauer sagte, es seien an der gesamten Brandenburger Strecke keine Demonstranten in der Nähe der Schienen gesichtet worden.

Nach einem mehr als zweistündigen Stopp in Magdeburg hatte sich der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Müll wieder Richtung Zwischenlager Lubmin in Vorpommern in Bewegung gesetzt. Die Pause am Bahnhof Magdeburg-Buckau war laut Bundespolizei vor allem wegen eines Austauschs der Loks und eines Personalwechsels nötig. Rund um die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts wurden 24 Atomkraftgegner in Gewahrsam genommen, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte.

In Magdeburg-Westerhüsen waren demnach 19 Menschen auf den Gleisen - zu einem Zeitpunkt, als der Zug noch in Halle gestanden habe. Dort habe es ein technisches Problem gegeben, Atomkraftgegnern zufolge war der Grund eine defekte Weiche. Die Räumung der Schienen in Westerhüsen dauerte laut Bundespolizei etwa 45 Minuten und hatte keine Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Castor-Transports. Am Bahnhof in Magdeburg wurden fünf Atomkraftgegner in Gewahrsam genommen, weil sie auf den Gleisen unterwegs waren.

In Mecklenburg-Vorpommern machten sich Castor-Gegner an den Gleisen der möglichen Transportstrecke zu schaffen. Zwischen Rostock und Stralsund seien auf einer Länge von rund 30 Metern Steine bis auf eine Tiefe von zehn Zentimetern aus dem Gleisbett entfernt worden, sagte Polizeisprecher Axel Falkenberg im Einsatzzentrum Anklam. Die Bundespolizei habe den Schaden am frühen Donnerstagmorgen behoben. Der Zugverkehr habe deshalb kurzzeitig unterbrochen werden müssen.

Die Bahnstrecke wird von zahlreichen Sicherheitskräften überwacht. Bereits in Frankreich waren Hubschrauber im Einsatz, um mögliche Störungen früh zu erkennen. Die in vier Spezialbehältern auf dem Zug transportierten Brennstäbe stammen ursprünglich aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe und vom deutschen Atomschiff „Otto Hahn“. Sie hatten zuletzt jahrelang im französischen Kernforschungszentrum Cadarache gelagert.

Der Castor-Zug hatte überraschend die Route über das Saarland genommen und nicht – wie zuletzt meist – bei Straßburg oder in der Südpfalz die Grenze überquert. In Saarbrücken verzögerte sich die Fahrt, weil eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg nahe der Route entdeckt wurde. Eine Gefahr für den Castor-Zug habe aber nicht bestanden, meldete die Bundespolizei.

Am Abend hatten an mehreren Orten in Brandenburg Atomkraftgegner für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie demonstriert. Durch die Landeshauptstadt Potsdam zog ein symbolischer Castortransport mit Atommüllfässern. Rudi Sonntag, Sprecher des Einsatzstabes in Brandenburg, sagte, mit hoher Wahrscheinlichkeit werde der Castor-Transport durch Brandenburg gehen. Welche Strecke die Fracht nehmen, werde er nicht sagen. Atomkraftgegner rechneten mit einer Fahrt durch die Prignitz.

( dapd/dpa/sei )