Kopenhagen

Entwicklungsländer blockieren den Klimagipfel

| Lesedauer: 3 Minuten

Foto: dpa / dpa/DPA

Bei der Klimakonferenz in Kopenhagen ist es zu einem Eklat gekommen. Die Entwicklungsländer haben die Verhandlungen blockiert, um die Industriestaaten zu ehrgeizigeren Zielen zu drängen. Nach mehreren Vermittlungsgesprächen, an den auch Umweltminister Röttgen beteiligt war, werden die Differenzen beigelegt.

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist mit einem Eklat in die zweite Woche gestartet: Die Entwicklungsländer einschließlich China und Indien blockierten am Montag zeitweilig die Verhandlungen über das geplante Weltklimaabkommen, um die Industrieländer zu ehrgeizigeren Zielen zu drängen.

In informellen Gesprächen konnten die Differenzen zwischen armen und reichen Ländern später beigelegt werden, wie EU-Sprecher Andreas Carlgren mitteilte. An der Vermittlung war auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen beteiligt.

In Kopenhagen verhandeln seit einer Woche 192 Länder über ein Abkommen, um eine drohende Klimakatastrophe abzuwenden. Es soll bis Ende der Woche zumindest in Eckpunkten stehen. Röttgen (CDU) ist seit dem Wochenende in der dänischen Hauptstadt. Ende der Woche trifft auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Der britische Premier Gordon Brown will sogar bereits am Dienstag anreisen, zwei Tage früher als geplant, um die Verhandlungen in Schwung zu bringen.

Am Montag weigerten sich zunächst jedoch etwa 135 Entwicklungsländer unter Führung einiger afrikanischer Nationen, in den Arbeitsgruppen weiter zu reden. Die Entwicklungsländer forderten Konferenzpräsidentin Connie Hedegaard auf, die Emissionsziele der Industrieländer ganz oben auf die Tagesordnung zu setzen, bevor die Gespräche wieder aufgenommen werden können.

Sie wollten durchsetzen, dass das Kyoto-Protokoll auch für die Zeit nach 2012 fortgeschrieben wird. Das Protokoll sieht nur für die Industrieländer verbindliche Klimaziele vor. Die Industrieländer - auch Deutschland - wollen dagegen ein völlig neues Abkommen, das auch Schwellen- und Entwicklungsländern Pflichten auferlegt - allerdings geringere als den reichen Staaten.

In den Vermittlungsgesprächen sei schließlich eine „vernünftige Lösung“ für beide Seiten gefunden worden, sagte EU-Umweltsprecher Carlgren. Die Entwicklungsländer hätten sich danach bereit erklärt, wieder an allen Arbeitsgruppen teilzunehmen. Die Industrieländer sicherten nach EU-Angaben zu, ihre Verpflichtungen zur Verringerung der Treibhausgase nicht herabzusetzen.

Bei den eigenen Bemühungen um Klimaschutz ist Deutschland im internationalen Vergleich abgerutscht. Das ergab der Klimaschutz-Index 2010 der Entwicklungsorganisation Germanwatch. Die Bundesrepublik sank von Platz fünf auf Platz sieben.

Ganz vorne liegt in diesem Jahr Brasilien - allerdings nur auf Platz vier, weil die Plätze eins bis drei gar nicht vergeben wurden. „Erneut hat noch kein Land den Pfad zur Vermeidung eines gefährlichen Klimawandels eingeschlagen“, mahnte Klimaschutz-Experte Jan Burck.

In Europa liegen Schweden und Großbritannien vor Deutschland. Schweden war immer besonders gut, doch unter den traditionellen Industrieländern war Deutschland noch 2007 Spitze - damals unter dem Eindruck des Klimaschutzprogramms der großen Koalition. Nun sehen die Experten Rückschläge.

„Vor allem bei der Umsetzung der Meseberger Klimaschutzbeschlüsse von 2007 hat Deutschland bislang Schwächen gezeigt“, erklärte Germanwatch-Experte Christoph Bals. Er kritisierte auch eine deutsche Blockade-Politik auf EU-Ebene.

( AP/dma )

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos