Klimaschutzgipfel

Entwicklungsländer werfen Merkel Blockade vor

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: AP

Die Gruppe der Entwicklungsländer (G 77) beim Klimagipfel findet den von der EU geplanten Beitrag zum Klimaschutz zu gering. Die als Soforthilfe angebotenen 2,4 Milliarden Euro pro Jahr seien "Brotkrumen", sagte G-77-Sprecher Lumumba di-Aping. Besonders wütend zeigte er sich über Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Entwicklungsländer halten den von der Europäischen Union geplanten Beitrag zum Klimaschutz für unzureichend. Der Sprecher der G 77 genannten Gruppe der Entwicklungsländer, der Sudanese Lumumba di-Aping, wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Blockadepolitik beim Klimaschutz vor. „Frau Merkel hat zwei Gesichter. Sie ist zu Hause eine große Ökologin, aber wenn es ums Geld für den Klimaschutz geht, steht sie auf der Bremse“, sagte di-Aping der „Frankfurter Rundschau“. Er kritisierte, die Klimaschutz-Soforthilfe der EU in Höhe von 2,4 Milliarden Euro pro Jahr sei viel zu gering.

Für einen ökologischen Umbau seien zwischen 300 und 500 Milliarden Euro pro Jahr notwendig. „Die EU wirft uns Brotkrumen hin“, sagte di-Aping. Mit diesen kleinen Summen täusche die EU die Welt und signalisiere, dass ihr der Klimawandel egal sei. Wenn das Geld auch sukzessive erhöht würde, gäben die EU und auch die USA „weit mehr Geld für Militär als für Klimaschutz aus“. Zur Bewältigung der Finanzkrise seien ebenfalls gigantische Summen locker gemacht worden, bei der Weltklimakrise werde aber gespart.

Die Industriestaaten müssen ihren CO2-Ausstoß nach Ansicht von di-Aping bis 2017 um mindestens 52 Prozent und bis 2020 um mindestens 65 Prozent gemessen am Basisjahr 1990 senken. Geschehe das nicht, bedeute dies den „Tod von Afrika“, da die Temperatur dann um 3,75 Grad ansteigen werde und die afrikanischen Länder zum Backofen würden.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne), die ebenfalls am Klimagipfel in Kopenhagen teilnimmt, erwartet von dem Treffen als konkrete Beschlüsse die Verringerung der Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um bis zu 95 Prozent. Das erfordere eine doppelte Anstrengung der Industrienationen, sagte sie der „Thüringer Allgemeine“ aus Erfurt. Sie müssten nicht nur selbst die Klimagas-Emission reduzieren, sondern auch den Entwicklungsländern helfen, wobei die Hilfe nicht einfach von der bereits zugesicherten Entwicklungshilfe abgezweigt werden dürfe.

Notwendig sind laut Göring-Eckardt zusätzliche Ausgaben in Höhe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Insgesamt müssten die reichen Länder mittelfristig etwa 110 Milliarden Euro beitragen, um wirklich etwas bewirken zu können. Davon werde Europa ein Drittel tragen müssen. Allein Deutschland müsse jährlich sieben bis zehn Milliarden Euro aufbringen.

Dass die EU nur bei einer Beteiligung weiterer Staaten zur Senkung ihres CO2-Ausstoßes um 30 Prozent bereit sei, kritisierte die Grünen-Politikerin als eine Politik des Deals. Solche Deals könne sich die Welt beim Klimaschutz nicht mehr leisten.

( ddp/dpa/AFP/ks )

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos