Afghanistan

Elite-Einheit KSK war am Luftangriff beteiligt

Die Bundeswehr-Elite-Einheit KSK war einem Zeitungsbericht zufolge maßgeblich am umstrittenen Tanklasterangriff in Kundus beteiligt. Der gesamte Einsatz wurde demnach aus einem Kommandostand einer geheimen Einheit geführt. Chef der Task Force 47 soll der verantwortliche Oberst Georg Klein gewesen sein.

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Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung war an dem umstrittenen Luftangriff nahe Kundus mit zahlreichen Toten auch die Bundeswehrspezialeinheit KSK beteligt.

Video: Reuters
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Die Debatte um den von einem deutschen Offizier angeordneten Luftangriff in Afghanistan setzt sich weiter fort. Die Opposition äußerte den Verdacht, dass die Bundesregierung Einfluss auf die Erstellung des Nato-Untersuchungsberichtes genommen haben könnte.

Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung hat die Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) bei dem Angriff eine wichtige Rolle gespielt. Bundeswehroberst Georg Klein habe in der Nacht des Angriffs als amtierender Kommandeur der geheimen Einheit Task Force 47 (TF 47) agiert und sei von mindestens fünf Offizieren und Unteroffizieren beraten worden.

Diese Einheit bestehe zur Hälfte aus KSK-Soldaten, die auch Jagd auf aufständische Taliban und Terroristen machten. Aus einer internen Rechtsbewertung der Bundeswehr gehe hervor, dass Klein den Angriffsbefehl nach den Nato-Einsatzregeln nur als TF-47-Kommandeur habe geben können.

Bereits die Aufklärungsflugzeuge vor dem Angriff sei von der TF 47 angefordert worden. Ein Offizier der Einheit habe in der Nacht etwa sieben Mal mit einem afghanischen Informanten telefoniert. Das Blatt schrieb, der Offizier sei möglicherweise Angehöriger des KSK. Er sei von Nato-Ermittlern und deutschen Feldjägern ausführlich befragt worden, sein Name werde jedoch nicht genannt.

Das geheime Einsatzprotokoll der Angriffsnacht sei von einem KSK-Mann geführt worden. Es werde den Nato-Ermittlern unter Verweis auf nationale deutsche Geheimhaltungsvorschriften vorenthalten. Ein Sprecher von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte der „Bild“-Zeitung, die Obleute des Bundestagsverteidigungsausschusses seien am 6. November über die Existenz der Task Force 47 unterrichtet worden.

Zum umstrittenen Luftangriff im Kundus möchte Grünen-Verteidigungspolitiker Omid Nouripour vor allem eine Frage beantwortet wissen: „Das wird eine der zentralen Fragen des Untersuchungsausschusses sein: Gab es eine politische Einflussnahme von der deutschen Seite, dass der Bericht geglättet wurde?“

Ähnlich äußerte sich der SPD-Abgeordnete Rainer Arnold. Nouripour sagte, wenn man den bislang nicht veröffentlichten, aber einigen Abgeordneten vorgelegten Nato-Bericht mit dem Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz über das Bombardement von Kundus vergleiche, „dann merkt man, dass aus dem Nato-Papier eine Zurückhaltung spricht, was die klare Bewertung der Verantwortlichkeiten angeht.“

Allerdings bedeute das nicht, dass Guttenberg damit entlastet sei. „Der Nato-Bericht ist trotzdem deutlich genug, um die Nichtangemessenheit des Angriffs festzustellen. Das hat damals auch Guttenberg merken müssen“, sagte Nouripour.

Guttenberg hatte nach seiner Amtsübernahme Anfang November unter Verweis auf den Nato-Bericht zunächst von einer angemessenen Attacke gesprochen, dies aber Ende November revidiert, als ihm nach eigenen Angaben andere Berichte vorlagen.

Bei dem Luftschlag nahe Kundus am 4. September sind nach Angaben des Anwalts der Hinterbliebenen des Angriffs, Karim Popal, mindestens 137 Zivilisten ums Leben gekommen. „Wir haben allein 91 Witwen von Opfern des Bombardements und 163 Waisenkinder registriert. Nach unseren Informationen sind 137 Menschen ums Leben gekommen, 22 sind verschwunden, und es gibt 20 Verletzte.“

Er habe zusammen mit seinen Anwaltskollegen sechs Wochen lang in Kundus recherchiert. „Wir haben Ausweisdokumente von Opfern und Angehörigen und die Personalien aufgenommen“, sagte er. „Wir sind auch bereit, DNA-Tests durchzuführen.“

Niemand wolle, dass Geld an die Taliban fließt. „Es geht um Hilfe für die Familien, für die Witwen und die vielen Waisenkinder“, sagte er. Dass die Bundesregierung eine Entschädigung an die Opfer zahlen wolle, sei eine weise Entscheidung gewesen.

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