Gewaltsame Proteste

In Athen fliegen erneut Brandbomben und Steine

Die Polizei bekommt die gewaltsamen Proteste in Griechenland nicht unter Kontrolle. In Athen ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Ministerpräsident Karamanlis betonte, Griechenland sei sicher. Die Demonstranten kündigten an, ab jetzt täglich auf die Straße zu gehen.

In der griechischen Hauptstadt Athen ist es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen jugendlichen Demonstranten und der Polizei gekommen. Vor dem Parlamentsgebäude versammelte Studenten bewarfen die Sicherheitskräfte mit Brandbomben und Steinen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Es war der siebte Tag in Folge mit gewaltsamen Protesten gegen den Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel.

Der Polizei ist es bislang nicht gelungen, die gewaltsamen Proteste zu stoppen. In Polizeikreisen hieß es, den Sicherheitskräften drohe das Tränengas auszugehen, Nachschub solle aus Israel und Deutschland kommen.


Die Demonstranten machen den Staat und die Regierung für den Tod des Jugendlichen verantwortlich. Der des Mordes beschuldigte Polizeibeamte sitzt derzeit in Haft. Nach seiner Darstellung wurde der Jugendliche von einem Querschläger eines Warnschusses getroffen.


Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis hat seine Landsleute aufgerufen, blinde Gewalt zu verurteilen und Randalierer zu isolieren. „Das ist unsere demokratische und nationale Pflicht“, sagte Karamanlis im griechischen Fernsehen aus Brüssel. Er habe ein offenes Ohr für die Wünsche, die Probleme und die Forderungen der Jugend: „Demonstrationen zu diesen Themen sind sogar erwünscht. Was nicht akzeptiert wird, ist blinde Gewalt“, sagte der griechische Regierungschef am Rande des EU-Gipfels.

„Griechenland ist ein sicheres Land. Wir haben im Rahmen der Demokratie die Möglichkeit, die Sicherheit aller Menschen zu garantieren“, fügte Karamanlis hinzu. Zugleich vertrat er die Auffassung, einige Medien hätten übertrieben über die Lage berichtet.

Mit täglichen Demonstrationen wollen Studenten und andere Gruppen eine Politikänderung bezüglich Ausgabenkürzungen, den Rücktritt des Innenministers und die Freilassung aller in den gewaltsamen Ausschreitungen seit vergangenen Samstag festgenommenen Personen erreichen.

Zunächst waren Demonstrationen vor allem Ausdruck der Empörung über den Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropolous am vergangenen Samstag. Es gab aber auch Unruhen in vielen griechischen Städten, bei denen Hunderte von Geschäften und Dutzende von Autos zerstört wurden.


Über die Forderung nach Bestrafung der für die tödlichen Schüsse verantwortlichen Polizisten hinaus wurden bald auch zunehmend politische Forderungen erhoben. Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis wies die Forderungen nach Rücktritt und Neuwahl, die auch von der Opposition erhoben wurden, am Freitag zurück.


„Was als ein Ausbruch der Empörung über die Tötung von Alexandros begann ist jetzt eine mehr organisierte Form des Protests“, sagte Petros Constantinou, einer der Organisatoren und Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei. Die Proteste sind inzwischen über die griechischen Grenzen hinausgegangen, in Dänemark, Italien und Spanien kam es auch zu Zwischenfällen mit Steinewerfern. Damit wächst die Sorge, die Proteste in Griechenland könnten für Globalisierungsgegner und von Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit betroffene Jugendliche in ganz Europa zum Beginn einer Rebellion werden.


Seit Beginn der Proteste wurden mindestens 70 Menschen verletzt und rund 100 verhaftet. Das griechische Parlament gedachte am Donnerstagabend mit einer Schweigeminute des erschossenen Jugendlichen. Den durch die Unruhen geschädigten Einzelhändlern sagte Regierungschef Konstantinos Karamanlis eine kurzfristige Finanzhilfe von jeweils 10.000 Euro zu.

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