RAF-Prozess

Buback-Sohn will Beckers Stasi-Akten einbeziehen

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Foto: picture-alliance / Sven Simon / picture-alliance / Sven Simon/picture-alliance

Der Sohn von Siegfried Buback will im Prozess um den RAF-Mord an seinem Vater die Stasi-Akten der Angeklagten Verena Becker zur Sprache bringen.

Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker hat die Nebenklage beantragt, zahlreiche Akten der DDR-Staatssicherheit herbeizuziehen. Der Rechtsanwalt von Nebenkläger Michael Buback, Ulrich Endres, sagte vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart, es gehe um „17 Akten, die Verena Becker betreffen“.

Daraus werde sich das „gesamte Umfeld“ und die „Beteiligung“ Beckers an dem Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 ergeben. Damit könne das bisherige „erhebliche Aufklärungsdefizit“ beseitigt werden, betonte Endres.

Bundesanwalt Walter Hemberger hielt dem entgegen, er kenne diese Stasi-Akten. Sie beträfen jedoch insgesamt 17 Personen, Becker sei nur eine davon. Was in den Akten über Verena Becker stehe, sei „vollständig“ in das jetzige Verfahren eingeflossen. An Endres gewandt sagte Hemberger: „Sie werden enttäuscht sein: Alles, was da drin ist, ist schon bei den Sachakten.“

Bis heute ist ungeklärt, welches RAF-Mitglied am 7. April 1977 in Karlsruhe von einem Motorrad aus die tödlichen Schüsse auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback, seinen Fahrer Wolfgang Göbel und den Justizwachtmeister Georg Wurster abgegeben hat. Michael Buback hält Verena Becker für die Todesschützin.

Die Bundesanwaltschaft hat dafür jedoch keine ausreichenden Anhaltspunkte und sieht die 58-jährige Becker lediglich als Mittäterin bei dem Attentat an. Die Bundesanwaltschaft wirft Becker vor, maßgeblich an der Entscheidung für den Mordanschlag, an dessen Planung und Vorbereitung sowie der Verbreitung der Bekennerschreiben mitgewirkt zu haben.

Eine Woche nach dem Eklat im RAF-Prozess hatte sich Buback außerhalb des Verfahrens zu Wort gemeldet. Dabei kritisierte er das Vorgehen der Bundesanwaltschaft scharf. „Ich kann mich nicht erinnern, jemals in so infamer Weise öffentlich angegriffen worden zu sein“, schrieb Buback in einem am Montag bekannt gewordenen Blog für das 3sat-Magazin „Kulturzeit“.

Oberstaatsanwältin Silke Ritzert habe als Vertreterin der Bundesanwaltschaft in der Verhandlung am 23. November angedeutet, dass er die Wahrheit mit Füßen trete. Sie habe ihm vorgeworfen, „wider besseres Wissens“ einen Zeugen angegeben zu haben, der dann nicht habe bestätigen können, dass auf dem Soziussitz des Tatmotorrads eine Frau gesessen habe.

Er habe sich von der Bundesanwaltschaft bereits einige Anwürfe angehört. „Aber das jetzt ist eine Unverschämtheit, die ich nicht hinnehmen kann“, betonte Buback. „Warum schickt die Bundesanwaltschaft eine Frau in dieses Verfahren, die den Angehörigen eines Mordopfers so massiv verletzt?“, fragte er.

Nach dem Eklat hatte der Vorsitzende Richter Hermann Wieland die Sitzung zunächst unterbrochen. Danach waren nicht nur Buback, sondern auch seine Frau und seine Anwälte nicht wieder im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts erschienen.

( dapd/cn )

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