Korea-Konflikt

Südkoreas Verteidigungsminister tritt zurück

Er hatte vor einem "richtigen Krieg" gewarnt – und deswegen keinen Angriff auf nordkoreanische Artillerie-Stellungen befohlen. Jetzt tritt Kim Tae-young zurück.

Foto: AP / AP/DAPD

Zwei Tage nach dem nordkoreanischen Granatenangriff auf die Insel Yeonpyeong ist Südkoreas Verteidigungsminister zurückgetreten. Staatspräsident Lee Myung-bak nahm das Rücktrittsgesuch von Ressortchef Kim Tae-young an, wie das Präsidialamt in Seoul mitteilte. Kim habe mit seinem Rücktritt „die Verantwortung für die jüngste Serie von Vorfällen übernehmen“ wollen. Nordkorea hatte vor zwei Tagen die südkoreanische Insel Yeonpyeong mit Artillerie beschossen. Vier Menschen starben dabei, mehrere Häuser wurden zerstört.

Der Minister – aber auch Staatschef Lee – gerieten daraufhin in die Kritik, weil ihre Reaktion nach Einschätzung vieler Südkoreaner zu milde ausfiel. Südkorea hatte als Gegenschlag 80 Granaten abgeschossen – so viele wie nordkoreanische auf der Insel eingeschlagen waren. Parlamentsabgeordnete hatten dagegen einen Luftangriff auf nordkoreanische Artillerie-Stellungen gefordert. Verteidigungsminister Kim hatte dies zurückgewiesen und davor gewarnt, dass dies einen „richtigen Krieg“ auslösen könne.

Währenddessen droht das kommunistische Nordkorea mit weiteren Angriffen. Ohne zu zögern, werde die Volksarmee „eine zweite und dritte Runde von Vergeltungsschlägen ausführen, sollten Kriegstreiber in Südkorea erneut rücksichtlos militärisch provozieren“, teilte das das Regime mit. Südkorea kündigte an, die Streitkräfte auf seinen fünf Inseln nahe der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer zu verstärken.

Chinas Regierungschef Wen Jiabao rief beide Länder zu „äußerster Zurückhaltung“ auf. Peking fürchtet eine Eskalation auf der koreanischen Halbinsel durch die neuen Seemanöver Südkoreas mit den USA.

Bei dem nordkoreanischen Angriff am Dienstag war vier Menschen getötet worden, darunter auch zwei Zivilisten. Es war einer der schwersten Zwischenfälle seit dem Koreakrieg (1950-1953).

Nach südkoreanischen Angaben feuerte Nordkorea mehr als 170 Geschosse. Davon seien 80 auf der nahe der Seegrenze im Gelben Meer liegenden Insel Yonpyong eingeschlagen. Südkorea habe das Feuer erwidert. Das Gefecht dauerte danach rund eine Stunde. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört oder beschädigt.

Nordkorea unterstellte Südkorea erneut, den Schusswechsel ausgelöst zu haben. Die USA seien zudem der eigentliche Verursacher des Konflikts, weil sie mitverantwortlich seien für die Ziehung der Grenzlinie im Gelben Meer zum Ende des Korea-Kriegs (1950-53). Nordkorea erkennt die Grenzlinie nicht an.

Die Mitteilung der Volksarmee sei an die US-Streitkräfte in Südkorea übermittelt worden, berichteten die staatlichen Medien. Nordkorea hatte bereits nach dem Gefecht mit weiteren Militärschlägen gedroht.

Die neuen Drohungen Nordkoreas kamen einen Tag, nachdem die USA und Südkoreas ein weiteres Seemanöver im Gelben Meer angekündigt hatten, um militärische Stärke zu demonstrieren. Zu der von Sonntag bis Mittwoch geplanten Übung schicken die USA ihren atombetriebenen Flugzeugträger „USS George Washington“.

Nordkorea ging jedoch nicht auf das Manöver ein. Das Land hatte Südkorea nach dem Gefecht beschuldigt, während einer Seeübung zuerst geschossen zu haben. Südkorea weist dies zurück.

Nach Gesprächen mit Russlands Präsident Dmitri Medwedew sagte Chinas Premier in Moskau, er lehne „jede Form von militärischer Provokation“ ab. Das berichtete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Kritisch äußerte sich der Sprecher des Außenministeriums in Peking über die Entsendung des US-Flugzeugträgers ins Gelbe Meer. „Wir haben die betreffenden Berichte gesehen und drücken unsere Sorge aus.“ Die koreanischen Staaten sollten möglichst bald Gespräche beginnen, „um zu verhindern, dass ähnliche Zwischenfälle wieder passieren“.

Südkorea will seine Militärpräsenz im Gelben Meer ausbauen. Die Einheiten auf den Inseln nahe der Grenzlinie sollen mit modernsten Waffen ausgerüstet werden. Pläne, die dort stationierten Marineeinheiten zu reduzieren, würden gestrichen, ließ Präsident Lee mitteilen. Man müsse auf die Möglichkeit einer neuen Provokation durch Nordkorea vorbereitet sein, wurde Lee zitiert. „Eine Provokation wie die jüngste kann jederzeit kommen.“

Chinas Außenminister Yang Jiechi verschob einen für Freitag geplanten Besuch in Südkorea. Peking habe wegen „Terminproblemen“ abgesagt, teilte das Aussenministerium in Seoul mit.

Die USA forderten China auf, klar gegen Nordkorea Stellung zu beziehen. Peking müsse ein deutliches Signal an Pjöngjang senden, dass es die provokativen Akte gegen Südkorea beenden müsse, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, in Washington. Nach dem Angriff Nordkoreas wollen sich die Außenminister der USA, Japans und Südkoreas im Dezember zu Beratungen in Washington treffen. Der japanische Außenminister Seiji Maehara und seine US-Amtskollegin Hillary Clinton hätten sich per Telefon darauf verständigt, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

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