Tödlicher Autounfall

Jörg Haider – umstrittenster Politiker Österreichs

Er war charismatisch und redegewandt – aber er war auch umstritten und neigte zu verbalen Entgleisungen. Jörg Haider war der umstrittenste und einer der bekanntesten österreichischen Politiker. Nach seinem tödlichen Autounfall ist seine Partei, das BZÖ, gelähmt: Die Sonne sei vom Himmel gefallen.

Der Rechtspopulist Jörg Haider hat zweifellos Eindruck in Österreich hinterlassen. In der vergangenen Nacht sei die „Sonne vom Himmel gefallen“ und die „Uhren stehen geblieben“, hieß es nach dem Unfalltod des Chefs vom Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) und Kärntner Landeshauptmanns aus seiner Partei. Aber auch Bundespräsident Heinz Fischer nannte den stets braungebrannten Kärntner einen „Politiker mit großen Begabungen“. Der 58-Jährige war charismatisch und redegewandt – aber er war auch ein Rechtspopulist mit verbalen Entgleisungen, weshalb die Aufstiege Haiders in der österreichischen Politik immer wieder abrupt gestoppt wurden.

Seinen letzten großen Erfolg erreichte Haider bei der vorgezogenen Parlamentswahl Ende September, bei der er als BZÖ-Spitzenkandidat das Ergebnis seiner Partei um mehr als sechs Prozentpunkte auf 10,7 Prozent der Wählerstimmen verbesserte.


Auch wenn sich Haider in den vergangenen Jahren gemäßigter gab, rief das starke Abschneiden der beiden Rechtsparteien bei der Wahl international Besorgnis hervor. Zu gut waren noch die rechtslastigen Äußerungen Haiders in Erinnerung, die ihn zum umstrittensten österreichischen Politiker seit dem Zweiten Weltkrieg gemacht hatten.

Der Rechtspopulist hatte etwa Vernichtungslager der Nationalsozialisten verharmlosend in „Straflager“ umbenannt, die „ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich“ gelobt oder positive Worte für die Waffen-SS gefunden. Später entschuldigte sich Haider für seine Äußerungen zur Nazi-Zeit. Diese seien „missverständlich“ gewesen. Doch nicht nur durch seine Aussagen sorgte Haider immer wieder für Ärger. Seinen Parteikollegen in der Regierung in Wien brachte er beispielsweise auch 2002 mit einem Besuch beim irakischen Diktator Saddam Hussein in Erklärungsnöte.

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Umstrittene Karriere in der Politik


Schon als 20-Jähriger engagierte sich der 1950 geborene Sohn überzeugter Nationalsozialisten in der Politik; 1986 übernahm er die Führung der von alten Nazis gegründeten FPÖ. Diese dümpelte damals bei etwa fünf Prozent Wählerstimmen vor sich hin, Haider bescherte ihr in den folgenden Jahren einen enormen Aufstieg. Bei den Parlamentswahlen 1999 wurde die FPÖ zweitstärkste Partei hinter der konservativen ÖVP.

Mit dem ihm eigenen taktischen Geschick machte Haider ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel die Koalition mit den Rechtspopulisten möglich: Im Mai 2000 trat der Populist formal vom Vorsitz der FPÖ zurück und berief seine ihm treu ergebene Stellvertreterin Susanne Riess-Passer auf den Posten. Diese sicherte als Vizekanzlerin die Koalitionsbeteiligung. Haider selbst wollte Schüssel auf keinen Fall im Kabinett haben, dessen zahlreiche verbalen Entgleisungen machten ihn untragbar. Dennoch verhängten 14 EU-Staaten wegen der Regierungsbeteiligung der FPÖ Sanktionen gegen Österreich.


2005 verlor Haider im Streit um eine moderatere Ausrichtung der FPÖ gegen die Hardliner in der Partei und gründete mit Getreuen das BZÖ. Seine Bastion blieb Kärnten, wo er seit 2004 zum dritten Mal als Landeshauptmann regierte. In dem Bundesland war der 58-Jährige eine Art ungekrönter König und auch schon mal im eigenen Hubschrauber oder schwarzen Porsche-Cabrio unterwegs. Das Geld für diese Luxusspielzeuge nahm Sohn eines Schuhmachers aus einem der größten Grundbesitze Österreichs; das Land vermachte ihm ein Onkel, der während des Zweiten Weltkriegs von der Vertreibung der Juden profitierte.

Haiders schnelle und kurvenreiche Karriere wäre vor 15 Jahren fast schon einmal durch einen Autounfall beendet worden. Im August 1993 verlor er die Kontrolle über seinem weißen BMW und flog mit dem Auto über eine Böschung, der Politiker überlebte den schweren Unfall jedoch leicht verletzt. In der Nacht auf Samstag hatte Haider kein Glück. Auf dem Heimweg von einer Abendveranstaltung kam Haiders Wagen von der Straße ab und überschlug sich mehrmals. Der Politiker starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

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