"Ihr lieben Kinderschänder"

Nicolas Sarkozys deplatzierter Pädophilen-Scherz

Am Rande des Nato-Gipfels vergriff sich Frankreichs Staatspräsident Sarkozy mal wieder im Ton: Er beschimpfte Journalisten als Pädophile.

Foto: AP / AP/DAPD

Bei Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy liegen die Nerven blank. Der für sein aufbrausendes Temperament bekannte Politiker wurde während eines Hintergrundgesprächs mit Journalisten ausfallend. Wieder einmal. Bereits in der Vergangenheit sorgte er mit Pöbeleien für Schlagzeilen. So beschimpfte er während der Pariser Landwirtschaftsmesse vor zwei Jahren einen Besucher, der ihm nicht die Hand geben wollte: „Verzieh dich, du Blödmann.“

Diesmal reagierte Sarkozy ungehalten auf die unbequeme Frage eines Journalisten zu seiner möglichen Verwicklung in die sogenannte Karatschi-Affäre, einen Sumpf um Rüstungsgeschäfte und Schmiergeldzahlungen. „Hören Sie zu, wir leben in einer verrückten Welt“, belehrte er die Journalisten am Rande des Nato-Gipfels in Lissabon. „Gibt es einen Einzigen unter Ihnen, der glaubt, dass ich Kommissionszahlungen und Retroprovisionen für bestimmte U-Boote für Pakistan organisiert habe?“

Er habe doch auch nichts gegen die anwesenden Journalisten, fuhr er mit beißendem Spott in der Stimme fort. „Es scheint, dass Sie pädophil sind. Wer mir das gesagt hat? Ich bin fest davon überzeugt. … Können Sie sich rechtfertigen?“ Wenn die Medien Beweise für seine Verwicklung in die Affäre vorlegen könnten, würde er gerne auf ihre Fragen antworten. „Wenn Sie nichts haben, lassen Sie uns lieber von etwas Interessanterem sprechen.“ Danach listete er all die Fälle auf, in denen ihn die Presse – aus seiner Sicht natürlich zu Unrecht – beschuldigt hätte, und verabschiedete sich mit den Worten: „Bis morgen, ihr lieben Kinderschänder.“

Die Äußerungen hätten eigentlich gar nicht öffentlich zitiert werden dürfen. Trotzdem sickerten sie im Internet durch – und bestimmen jetzt auch die Schlagzeilen der großen Zeitungen in Frankreich.