Grausamkeit in Putins Reich

Russischer Miliz-Offizier packt auf Youtube aus

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Manfred Quiring

Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb / dpa

Folter, Korruption, Demütigungen – in der russischen Miliz geht es knallhart zu. Ein Offizier wollte nicht mehr mitmachen. Er wählte das Internet und bat in einem bei Youtube veröffentlichten Video den russischen Premier Putin um Hilfe. Jetzt fürchtet er um seine Sicherheit und um die seiner Familie.

Alexej Dymowski will bei den Rechtsbeugungen und Gesetzesverletzungen seiner Kollegen und seiner Chefs nicht mehr mitmachen. Er wählte das Internet und bat in einem bei Youtube veröffentlichten Video den russischen Premier um ein persönliches Treffen. Jetzt fürchtet er um seine Sicherheit und um die seiner Familie.

Major Dymowski dient seit zehn Jahren bei der Miliz in der russischen Schwarzmeerstadt Noworossijsk. Zwei Frauen, so klagte der Major, der in seiner Dienstuniform auftrat, seien ihm in dieser Zeit wegen der menschenunwürdigen Dienstzeiten und seines niedrigen Gehalts davongelaufen. Als Major der Drogenfahndung verdient Dymowski 12.000 Rubel (280 Euro) im Monat.

Mehr noch setzte ihm das Verhalten seiner Chefs zu, "die uns wie Vieh behandeln“. So habe der Arzt des Krankenhauses, in dem sich Dymowski zur Zeit befindet, eine Untersuchung des Majors zunächst mit dem Hinweis abgelehnt, die Führung der städtischen Miliz habe das wegen der gesunkenen Aufklärungsrate untersagt. Um diese Kennziffern zu verbessern, verlangten seine Vorgesetzten die Aufdeckung nicht existierender Verbrechen und die Verhaftung Unschuldiger, sagte Dymowski in dem Video. Auch gebe es "Perspektivpläne“ für künftig vorzunehmende Verhaftungen, die die Mitarbeiter zu erfüllen hätten. Allenthalben grassiere die Korruption, die Milizangehörigen würden durch die Handlungen ihrer Vorgesetzten förmlich dazu gedrängt.

Dymowskis Vorgesetzte reagierten schnell. Der Milizchef von Noworossijsk, Wladimir Grebenjuk, erklärte am Wochenende im Radiosender „Echo Moskwy“, die Vorwürfe Dymowskis entsprächen nicht den Tatsachen. Und ganz im sowjetischen Stil wurden die Kollegen Dymowskis zusammengerufen, um sein Vorgehen zu verurteilen. Auf einer Versammlung sprachen sich die Mitarbeiter der Kriminalmiliz denn auch pflichtschuldigst gegen die Handlungsweise des Majors aus.

Schon kurz nach dem Auftauchen des Videos wurde Dymowski von den Sicherheitsbehörden unter Druck gesetzt, berichtete er dem Moskauer Rundfunksender "Echo Moskwy“. Er werde verfolgt, seine Familie übernachte sicherheitshalber bei Freunden, er selbst habe einen Bodyguard engagiert. Er plane eine Übersiedlung nach Moskau, mit anderen Worten: eine Flucht vor seinen bald schon ehemaligen Kollegen.

Das Video von Major Dymowski darf als exemplarisch für das Land gelten. Es wirft ein Schlaglicht auf den Zustand der Behörde, die für die Sicherheit der russischen Bürger sorgen soll. Folter, Vergewaltigung, Fälschung von Beweisen und unkontrollierter Waffengebrauch gehören zur alltäglichen Willkür russischer Ordnungshüter.

Dymowskis "Hilferuf“ im Internet ist ein Beleg dafür, dass eine für die Sicherheit des Staates zuständige Institution inzwischen selbst zu einem Sicherheitsrisiko für den Staat geworden ist.

Das Youtube-Video finden Sie hier.

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