Nationalsozialismus

Bundeskriminalamt erforscht eigene Geschichte

Als das Bundeskriminalamt 1951 gegründet wurde, hatte eine große Mehrheit der ersten Beamten schon den Nationalsozialisten gedient. Ob sie auch weiter die Maßstäbe des Nazi-Polizeistaats anlegten, will das Amt nun erforschen, kündigte BKA-Präsident Ziercke an.

Foto: loh/oc/man / DDP

Das Bundeskriminalamt (BKA) will sich künftig stärker mit der Aufarbeitung der eigenen Geschichte beschäftigen. BKA-Präsident Jörg Ziercke eröffnete am Mittwoch in Wiesbaden ein Reihe von insgesamt drei eintägigen Kolloquien, auf denen die Geschichte der Institution und insbesondere die Frage nach der Kontinuität nationalsozialistischen Gedankengutes im BKA beleuchtet werden soll. "Die Erinnerung an den nationalsozialistischen Völkermord kennt keinen Schlussstrich und darf keinen Schlussstrich kennen", betonte Ziercke. Die Sicherung der Würde des Menschen sei eine Daueraufgabe. "Unsere Veranstaltungsreihe kommt zwar spät, aber nicht zu spät", fügte Ziercke hinzu.

Ziercke zeichnete danach ein schonungsloses Bild der Gründungsgeschichte des am 8.3.1951 ins Leben gerufenen BKAs. Ende der 50er Jahre hätten die meisten Polizeiangehörigen aus der NS-Zeit in der bundesdeutschen Polizei eine neue Anstellung gefunden, die hohen Führungsbeamten hätten ihre Karrieren fortsetzen können. Von den 47 Gründungsbeamten der neuen Polizei in der besetzten Zone seien 33 ehemalige NS-Führungsbeamten gewesen. Ende der 50er Jahre seien fast alle leitenden Positionen auch im BKA von ehemaligen Nationalsozialisten besetzt gewesen. Die Frage müsse nun erforscht werden, ob diese personellen Kontinuitäten auch dazu geführt hätten, dass organisatorische Abläufe und kriminalistische Ansätze fortgeführt wurden, ob die Maßstäbe des menschenverachtenden Polizeistaates weiter galten, betonte Ziercke. Diesen Themen soll in den kommenden Kolloquien nachgegangen werden.

Er wisse, mit wie vielen Ängsten und Widerständen, aber auch Erwartungen ein solches Vorhaben verbunden sei, sagte Ziercke weiter. Bei der Vorbereitung der Veranstaltungsreihe sei er aber auch auf große Offenheit und Interesse im BKA gestoßen. "Fachwelt und Öffentlichkeit sehen einen Bedarf, dass das BKA seine eigene Geschichte im Hinblick auf den Nationalsozialismus erforscht", betonte der BKA-Präsident.

Eine "justiziable Aufarbeitung" könne das BKA zwar nicht leisten, zur Identität einer Polizei im demokratischen Rechtsstaat gehöre aber auch das Erinnern. "Es geht um Verantwortung, nicht um Schuld", betonte Ziercke. Sollte sich im Zuge der Kolloquien herausstellen, dass es einer tieferen Aufarbeitung des Komplexes bedürfe, will das BKA ein Forschungsvorhaben an die Wissenschaft in Auftrag geben.

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