Birma

Suu Kyi fordert von Anhängern Mut und Gewaltfreiheit

Die birmanische Politikerin hat das Wort an Tausende begeisterte Anhänger gerichtet. Unter Jubel rief sie: "Ihr dürft nicht aufgeben".

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Einen Tag nach dem Ende ihres siebenjährigen Hausarrest hat Birmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ihre erste Rede in Freiheit gehalten. Die Friedensnobelpreisträgerin forderte von den Militärmachthabern demokratische Reformen.

Video: Reuters
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Nach siebeneinhalb Jahren Hausarrest hat die freigelassene Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ihre Landsleute zur Aussöhnung aufgerufen.

„Wir müssen zusammenarbeiten“, rief die Oppositionspolitikerin mindestens 10.000 Anhängern zu, die zur Parteizentrale der aufgelösten „Nationalliga für Demokratie“ (NLD)gekommen waren. Die Zahl der versammelten Anhänger übertraf selbst kühnste Erwartungen. „Wir lieben Suu!“ stand auf Dutzenden Plakaten, und „Lang lebe Suu Kyi!“

Die Freilassung der populären Politikerin am Samstagabend war weltweit mit Erleichterung zur Kenntnis genommen worden. Der jüngste Hausarrest lief bis zum 13. November, und anders als in den vergangenen Jahren verlängerte die Militärjunta die Strafe dieses Mal nicht. Suu Kyi (65) hat insgesamt 15 Jahre und 20 Tage der vergangenen knapp 21 Jahre in Isolation in ihrem Haus in Rangun gelebt. Die lange Abgeschiedenheit war ihr nicht anzumerken. Als sie sich am Samstag auf dem Gelände erstmals der Menge zeigte, wirkte sie gelöst und entspannt, am Sonntag voller Energie.

„Wenn wir unsere Kraft richtig einsetzen, kann sie niemand brechen“, sagte sie nach einer Übersetzung des Exil-Magazins „Irrawaddy“. „Mut bedeutet, dass wir uns beharrlich für das einsetzen, woran wir glauben (...) Mut bedeutet nicht, seine physische Kraft einzusetzen und laut zu werden“, sagte sie mit Blick auf das Militärregime. „Ihr dürft nicht aufgeben“, rief sie den Anhängern zu.

Sie wolle von jedem hören, der sich für die Demokratie stark machen wolle, sagte Suu Kyi. „Nationale Versöhnung heißt, anzuerkennen, dass es Differenzen gibt.“ Bei ihrer Ansprache in der Parteizentrale waren Staatsagenten in Zivil anwesend, berichteten Augenzeugen. Von der gegenüberliegenden Straßenseite machten Agenten Fotos von der Menge, ohne aber einzuschreiten. Sie hege keine Rachegefühle gegen die Junta, versicherte Suu Kyi. Sie sei immer gut behandelt worden.

Als das Auto mit Suu Kyi am Sonntag vor der Parteizentrale vorfuhr, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr. Die Menge drängte nach vorn, um möglichst nah an ihr Idol heranzukommen. Es gelang Suu Kyi kaum, die Autotür zu öffnen. Bodyguards bahnten ihr mit Mühe einen Weg durch die Jubelnden. Sie traf dort vor ihrer Rede auch mit ausländischen Diplomaten zusammen.

Suu Kyi kämpft seit 1988 mit friedlichen Mitteln für Demokratie in ihrem Land. Sie erhielt dafür 1991 den Friedensnobelpreis. Die Militärjunta wirft ihr dagegen Destabilisierung vor. Sie wurde schon zweimal aus dem Hausarrest entlassen, 1995 und 2002. Jedes Mal sperrte das Militär sie wieder ein, wenn ihre Popularität den Hass auf das Regime zu deutlich machte.

Suu Kyi hatte 1990 die Wahlen gewonnen, doch erkannten die Generäle das Ergebnis nie an. Vergangenes Wochenende ließen sie erstmals wieder wählen.Sie verkünden seitdem jeden Tag neue Sitzgewinne für die eigene Partei USDP, die mehr als 80 Prozent gewonnen haben will. Der Wahlgang war international heftig umstritten. Sie werde den Bericht ihrer aufgelösten NLD-Partei zu den Wahlen abwarten, ehe sie sich äußere, sagte Suu Kyi.