Karlsruhe

Berlinerin in Bundesverfassungsgericht gewählt

Die Berliner Rechtswissenschaftlerin Susanne Baer ist am Donnerstag in das Bundesverfassungsgericht gewählt worden. Die 46-Jährige ist Professorin für "Öffentliches Recht und Geschlechterstudien" an der Humboldt-Universität.

Foto: dpa / dpa/DPA

Mit der Wahl von drei neuen Richtern ist das Bundesverfassungsgericht jünger und etwas weiblicher geworden. Der Richterwahlausschuss des Bundestages wählte am Donnerstag den Thüringer Innenminister Peter Michael Huber (51), die Richterin am Bundesgerichtshof Monika Hermanns (51) und die Berliner Rechtsprofessorin Susanne Baer (46) in das höchste deutsche Gericht. Sie lösen drei weit über 60 Jahre alte Kollegen ab.

Susanne Baer, 46 Jahre alte Professorin aus Berlin, hat eine steile wissenschaftliche Karriere gemacht: Nach Studium, Referendariat und einer kurzen Station in der Berliner Verwaltung ging sie für ein Jahr in die USA, anschließend schrieb sie ihre Doktorarbeit, unterstützt von einem Stipendium der gewerkschaftsnahen Hans Böckler-Stiftung. Das Thema der mit Bestnote bewerteten Dissertation deutet bereits einen Schwerpunkt ihrer weiteren Arbeit an: „Würde oder Gleichheit“, lautet der Titel. Es geht um das Recht gegen Diskriminierung am Beispiel sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

Anschließend arbeitete Baer als wissenschaftliche Assistentin an der Berliner Humboldt-Universität und habilitierte sich mit einer Schrift über die Stellung des Bürgers im Verwaltungsrecht. 2002 wurde sie Professorin für „Öffentliches Recht und Geschlechterstudien“ in Berlin.

Baer befasst sich intensiv mit Fragen des Gleichstellungsrechts und des sogenannten „Gender Mainstreaming“. Damit sollen die Folgen staatlicher Handlungen und Regeln auf die Situation von Männern und Frauen im Voraus untersucht und abgeschätzt werden. Hierzu erstellte Baer Gutachten für verschiedene Bundesministerien.

Studierende und Mitarbeiter beschreiben Baer als fachlich brillant. Sie sei sehr strukturiert, präzise in ihren Analysen und ihrer Kritik. Zuletzt fiel sie beim Deutschen Juristentag in Berlin als schlagfertige, kluge und stellenweise auch selbstironische Diskutantin auf. Dabei betonte sie: „Frauen treffen an sich nicht klügere Entscheidungen als Männer.“ In Vorständen und Aufsichtsräten sei es jedoch von Vorteil, wenn die Gremien gemischt besetzt sind: Themen würden aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, Entscheidungen würden deshalb besser. „Firmen mit hoher Diversität haben in der Finanzkrise weniger Verluste gemacht“, sagte Baer. Einen kurzen Moment bremste sie sich selbst: „Feminismus gegen die Finanzkrise“ - über den Gedanken musste sie dann doch schmunzeln.

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