Indonesien

Obama – "Amerika nicht auf Kriegsfuß mit dem Islam"

| Lesedauer: 3 Minuten

Der US-Präsident hat in Indonesien die Hand zur muslimischen Welt ausgestreckt. Sein Publikum beeindruckten aber vor allem Kindheitserinnerungen.

Mit einem Aufruf zu religiöser Toleranz und gegenseitigem Respekt ist US-Präsident Barack Obama in Indonesien erneut auf die muslimische Welt zugegangen. Er knüpfte in Jakarta an seine berühmte Kairoer Rede vor 17 Monaten an, als er zu einem Neuanfang in den Beziehungen zwischen den USA und muslimischen Ländern aufgerufen hatte. „Ich habe klar gemacht, dass Amerika sich weder jetzt noch in der Zukunft auf Kriegsfuß mit dem Islam befindet“, sagte Obama, der als Kind vier Jahre in Jakarta gelebt hatte. Er beeindruckte die Zuhörer mit einigen Worten in akzentfreiem Indonesisch.

„Wie damals sage ich heute, dass eine einzige Rede nicht Jahre des Misstrauens ausbügeln kann“, sagte Obama im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt vor rund 6000 Studenten und Dozenten an der Universität von Indonesien. „Wir haben die Wahl: Wir können uns über unsere Differenzen definieren und uns einer Zukunft hingeben mit Argwohn und Misstrauen. Wir können aber auch beschließen, Gemeinsamkeiten zu finden und den Weg des Fortschritt einschlagen.“

Obama, der am Morgen mit seiner Frau Michelle die Istiqlal-Moschee, die größte Moschee Südostasiens besucht hatte, mahnte die Indonesier, im Kampf gegen den Terrorismus nicht nachzulassen. „Unschuldige Menschen in den USA, in Indonesien und in anderen Ländern sind Zielscheibe brutaler Extremisten“, sagte er. „Wir müssen alle zusammen al-Qaida und deren Verbündete besiegen. (...) Die, die etwas aufbauen wollen, dürfen den Boden nicht Terroristen überlassen, die zerstören wollen. Dies ist nicht allein die Aufgabe der USA.“

Das Publikum nahm die Rede mit höflichem Applaus auf. Begeisterung kam immer auf, wenn Obama kurz in Kindheitserinnerungen schwelgte und ein paar Sätze auf Indonesisch einstreute. Er hatte im Alter von sechs bis zehn mit seiner Mutter und dem indonesischen Stiefvater in Jakarta gewohnt, bevor er zur weiteren Schulausbildung zu den Großeltern nach Hawaii ging. Zum Galadinner ließ der Gastgeber, Präsident Susilo Bambang Yodhoyono, Obamas indonesische Lieblingsspeisen servieren – gebratenen Reis und Hackbällchen. Der US-Präsident will im kommenden Jahr zum Gipfeltreffen der Südostasiatischen Staatengemeinschaft nach Jakarta zurückkehren.

"Einheit ist stärker als Zwietracht"

Obama lobte Indonesien als leuchtendes Beispiel für eine dynamische Demokratie mit religiöser Toleranz. Er stellte das Motto Indonesiens – Eintracht in der Vielfalt – heraus. In Indonesien blühe der Islam, aber daneben auch andere Religionen. „Einheit ist stärker als Zwietracht, die Völker dieser Welt können in Frieden zusammenleben“, sagte Obama.

Der Präsident war auf seiner Asienreise von Indien kommend in Jakarta eingetroffen. Das Programm war kurz, und das Weiße Haus verlegte die Abfahrt noch um zwei Stunden vor, weil es Angst vor möglichen Flugverzögerungen durch Vulkanasche aus dem Merapi hatte. Der Präsident flog anschließend zum G-20-Gipfel nach Südkorea weiter.

( dpa/cn )

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