Friedrich-Nachfolge

Wird Stefan Müller neuer Landesgruppenchef der CSU?

Nach dem Wechsel von Hans-Peter Friedrich ins Ministeramt braucht die CSU einen neuen Landesgruppenchef. Drei Kandidaten werden gehandelt.

Foto: pa/dpa/eventpress

Nach den Rochaden an der Spitze der Ministerien richten sich die Blicke im Berliner Politbetrieb auf den verwaisten Posten des CSU-Landesgruppenchefs. Am 14. März werden sich die Bundestagsabgeordneten der CSU versammeln, um den Nachfolger des ins Innenministerium gewechselten Hans-Peter Friedrich zu wählen. Schon jetzt ist klar: Am Ende entscheiden sie – und nur sie – dann in geheimer Wahl, wer der neue Anführer werden soll.

Die Möglichkeiten der Einflussnahme aus der Münchener Parteizentrale sind somit begrenzt. Dass die Stelle attraktiv ist, wusste schon Michael Glos, der bis zu seiner Berufung zum Wirtschaftsminister fast 13 Jahre lang mit Hochgenuss den Statthalter seiner Partei in der Hauptstadt und im Bundestag spielte. Er sprach damals vom „zweitschönsten Amt in der CSU“.

Nachdem Glos in die Pflicht genommen wurde, auf die Regierungsbank zu wechseln, sah man ihn fast nur noch mit heruntergezogenen Mundwinkeln durchs Regierungsviertel laufen. Ihm fehlte das Strippenziehen, das feine Austarieren von Koalitions- und Parteiinteressen. Auch sein Nachfolger Peter Ramsauer wechselte erst 2009, nach der Wiederwahl der Regierung Merkel als Verkehrsminister ins Kabinett, 2005 hatte er sich noch gesträubt.

Weißwurstfrühstück mit Journalisten

Wer das Amt des Landesgruppenchefs passabel ausfüllt, der kann eben schneller Karriere machen, als ihm vielleicht selber lieb ist. Jüngstes Beispiel ist die abrupte Promotion von Friedrich, der nur eineinhalb Jahre in den Genuss kam, die Parlamentskorrespondenten zum traditionellen Weißwurstfrühstück in die bayerische Landesvertretung an der Behrenstraße zu bitten, um die blau-weiße Sicht auf die Dinge in der Bundespolitik zu erläutern.

Stets an seiner Seite saß dabei Stefan Müller, der jetzt als besonders aussichtsreicher Nachfolgekandidaten gilt. Der ausgeglichene 35-Jährige war als Parlamentarischer Geschäftsführer der Landesgruppe Friedrichs rechte Hand. Er legte aber von Anfang an Wert darauf, sich ein eigenes Profil zu verschaffen. Etwa mit einer selbstbewusst eigenen Interviewpolitik, die ihm in den Tagen rund um die Klausurtagung in Wildbad Kreuth ähnlich viel Aufmerksamkeit verschaffte wie dem Chef. Müller, der aus dem Bundestagswahlkreis Erlangen stammt, wäre sozusagen ein „natürlicher Thronfolger“.

Beliebt in der Landesgruppe ist der Bankfachwirt jedenfalls. Dass der nötige Ehrgeiz vorhanden ist, daran zweifelt auch keiner, fachlich hat Müller ebenfalls viel drauf. Das Problem: Auch dem CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt werden seit Tagen unwidersprochen Ambitionen auf die Stelle nachgesagt. Dobrindt ist nicht nur vier Jahre älter als Müller, sondern er wirkt auch reifer und abgebrühter. Seehofer hatte ihn als Wadenbeißer engagiert, nachdem Karl-Theodor zu Guttenberg ins Wirtschaftsministerium nach Berlin gewechselt war. Sollte Dobrindt jetzt den Landesgruppenchef geben, dann wäre der Draht zu Seehofer womöglich besonders kurz.

Spezielle Erfahrungen mit Dobrindt

Dieser Gedanke wiederum schmeckt in der Landesgruppe längst nicht allen. Denn Friedrich wurde auch deshalb gemocht, weil er Seehofer in regelmäßigen Abständen Paroli bot. Auch sonst haben die Abgeordneten spezielle Erfahrungen mit Dobrindt gemacht: Als der innerkoalitionäre Konflikt mit der FDP im vergangenen Sommer auf dem Höhepunkt angelangt war und Dobrindt permanent nachlegte, da wuchs der Zorn auf die Verbalattacken aus München – die von Dobrindt bemühte „Gurkentruppe“ ist bis heute unvergessen. Andererseits hat der Mann auf diese Weise demonstriert, was er sich traut – und wie er Auseinandersetzungen seinen Stempel aufdrückt.

Die Chance dazu hatte Müller noch nicht. Und dass der Diplom-Soziologe Dobrindt weit differenzierter argumentieren kann, als es seine Rolle als Generalsekretär erfordert, ist bekannt. Sollte Dobrindt tatsächlich wechseln, würde er allerdings in München ein Loch reißen. Und die Personaldecke ist dünn. Das würde für Müller sprechen, dem trotz seiner Jugendlichkeit zuzutrauen ist, in das Amt reinzuwachsen. Und Seehofer gefällt sich ja in der Rolle des Mannes, der dem Nachwuchs eine Chance gibt.

Sollten sich beide Kandidaten aber gegenseitig im Weg stehen, könnte der Glückliche am Ende womöglich Gerd Müller heißen. Der 55-Jährige ist zurzeit Staatssekretär im Verbraucherministerium und kennt die Landesgruppe aus dem Effeff, weil er sie schon mal ihr stellvertretender Vorsitzender war. Das Verjüngungssignal bliebe dann zwar aus, aber man kann bekanntlich nicht alles haben.

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