Stilkritik

An den Uniformen kann man Diktatoren erkennen

Man muss wahnsinnig sein, um sich den Platz in der Geschichte mit Gewalt zu nehmen. Diktatoren sieht man die Geisteskrankheit schon an den Klamotten an.

Mode ist ein Zeichensystem wie Sprache – die offizielle Kleidung von Diktatoren kündet vom Wahn ihrer Träger. Was im Tierreich als Warnfärbung bezeichnet wird, beispielsweise bei Pfeilgiftfröschen oder Hornissen, verleiht sich der selbstherrliche Despot einfach selbst: Man sieht ihn und ahnt: Mit dem ist nicht zu spaßen.

Zum einen also soll die Kleidung des Diktatoren Respekt einflössen. Andererseits ist kein gesunder Menschenverstand in der Lage, den Wunsch auszubrüten, seine Mitmenschen zu unterdrücken. Und der Wahnsinn des Diktatoren beeinflusst seinen modischen Geschmack.

Prunksucht trifft auf Egomanie – kein Stylist, nicht einmal der Schneider dürfen ihm widersprechen. Wie ein tobsüchtiges Kind kriegt er alle Wünsche erfüllt.

"Power corrupts“, schreibt Lord Acton. “And absolute power corrupts absolutely”. Mode ist eben tatsächlich eine Sprache. Der Diktator aber will nicht kommunizieren, sondern befehlen. Er hält, modisch gesehen, einen Monolog. Oftmals in Brülllautstärke. Er geht davon aus, dass ihm dabei alle folgen. Bis zuletzt.

Eigentlich wollte er einzig sein, dabei ist er, modisch wie politisch, bloß noch allein.

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