Aufstand in Libyen

Gaddafi-Truppen richten in Sawija Blutbad an

Die Truppen des libyschen Diktators Gaddafi haben in Sawija offenbar viele Menschen umgebracht. Dabei feuerten 35 Panzer auf die Häuser der Stadt.

Truppen des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi haben in der umkämpften Stadt Sawijah nach Angaben eines Arztes ein Blutbad angerichtet. „Das ist ein echtes Massaker. Die Lage ist katastrophal“, sagte der Arzt in der etwa 60 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Stadt über Telefon.

Gaddafis Truppen hätten viele Menschen getötet. „Sie haben meine Tochter getötet“, sagte der Arzt und brach in Tränen aus.

Zuvor hatten Augenzeugen berichtet, Gaddafis Truppen seien mit etwa 35 Panzern in Sawijah eingerückt und hätten das Feuer auf Häuser eröffnet. „Der Granatbeschuss hört gar nicht auf“, sagte ein Bewohner der Stadt.

Am Vormittag hatten die Aufständischen in der Stadt in erbitterten Kämpfen einen Angriff der Regimetruppen abgewehrt.

Nach einem Bericht des staatlichen libyschen Fernsehens brachten die Regimetruppen auch den Flughafen von Misurata, 210 Kilometer östlich von Tripolis, unter ihre Kontrolle.

Aufständische feiern Erfolge im Osten

Die Rebellen, die praktisch den gesamten Osten des Landes kontrollieren, verzeichneten wiederum am dortigen Frontabschnitt Erfolge. Sie festigten ihre Kontrolle über den in der Nacht zuvor eroberten Ölhafen Ras Lanuf. Aufständische zerstörten zur Feier Gaddafi-Bilder und verbrannten die von Gaddafi eingeführte grüne Landesflagge.

Ein libysches Kampfflugzeug stürzte nach Augenzeugenberichten nahe des Ölhafens Ras Lanuf ab. Von den Gewährsleuten aufgenommene Fotos zeigten den Leichnam des Piloten und Wrackteile der Maschine. Wie es zu dem Absturz kam, war zunächst nicht herauszufinden.

Rebelleneinheiten stießen außerdem weiter in westlicher Richtung auf Sirte vor. Die Geburtsstadt Gaddafis galt bislang als Hochburg seiner Milizen. Nach Berichten von al-Dschasira soll es aber dort zu einer Spaltung zwischen den maßgeblichen Stämmen gekommen sein.

Der Zwist habe sich daran entzündet, dass sich einige der Clans weigerten, Verstärkungen für die Gaddafi-Truppen in Ras Lanuf zu entsenden.

Nationalrat in Bengasi fordert Flugverbotszone

Der in Bengasi gegründete Nationalrat der Rebellen erklärte sich zum alleinigen legitimen Vertreter des libyschen Volkes. Der Rat sei der „einzige Repräsentant Libyens“, sagte der Vorsitzende des Nationalrates, Ex-Justizminister Mustafa Abdel Dschalil nach der ersten Zusammenkunft des Gremiums in Bengasi.

Alle libyschen diplomatischen Vertreter im Ausland, die die Erhebung gegen Gaddafi unterstützten, seien die „legitimen Vertreter“ des Nationalrates. Dschalil hatte sich in den ersten Tagen der Revolte gegen Gaddafi der Opposition angeschlossen.

Der Nationalrat forderte die internationale Gemeinschaft auf, eine Flugverbotszone über dem Land einzurichten. Gaddafi solle auf diese Weise daran gehindert werden, „sein eigenes Volk zu bombardieren“, verlautete aus Kreisen der Aufständischen. Den Ort seiner Zusammenkunft hatte der Nationalrat vorab aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben.

Auf der dem Osten Libyens vorgelagerten griechischen Insel Kreta begann ein Truppenaufmarsch der westlichen Mächte. Wie griechische Medien und Augenzeugen aus der Region berichteten, liefen bereits zwei große amerikanische Schiffe in der Bucht von Souda ein, darunter der Hubschrauberträger „USS Kearsarge“.

An Bord seien rund 1200 Mann, darunter fast 800 Marineinfanteristen, berichtete der griechische Rundfunk.

Das Schiff eignet sich sowohl für Landungsunternehmen wie auch für Evakuierungsaktionen. Auch Spezialeinheiten aus verschiedenen Nato-Staaten wurden nach Souda verlegt.

Bundeswehr-Soldaten kehren nach "Operation Pegasus" zurück

150 Soldaten der Bundeswehr, die im Rahmen der "Operation Pegasus" an einer Evakuierung von 262 Menschen aus Libyen teilgenommen hatten, kehrten nach Deutschland zurück. Sie landeten in Wunstorf in der Region Hannover.

„Es war eine gewisse Spannung da“, sagte ein Verbindungsoffizier zur Marine über den Einsatz. Der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Rainer Glatz, begrüßte die Soldaten und bedankte sich für ihren Einsatz. „Gleichzeitig habe ich meinen Respekt und meine Anerkennung zum Ausdruck gebracht, dass sie sich diesem nicht risikofreien Einsatz innerhalb kürzester Zeit gestellt haben“, sagte er nach der Landung der Maschinen-

Die Evakuierung sei in engster Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt erfolgt, sagte Glatz. Es sei zu keinerlei Zwischenfällen gekommen. Unter den Evakuierten war auch der deutsche Botschafter in Libyen.

An der Evakuierungsaktion hatte ein Verbund von Soldaten des Heeres, der Marine und der Luftwaffe teilgenommen.

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