Griechenland

Justiz beschuldigt zwei Verdächtige wegen Briefbombe

Die Briefbomben an das Kanzleramt und an Nicolas Sarkozy sollen von einem griechischen Chemiestudenten und seinem arbeitsloser Freund gekommen sein.

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Ein griechischer Chemiestudent und sein arbeitsloser Freund stecken nach Ermittlungen der Behörden in Athen hinter der Briefbombenserie dieser Woche, die bis ins Berliner Kanzleramt und an den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ging.

Sie hätten für ihre Mikro-Bomben eine einfache Schießpulvermischung verwendet, die in ausgehöhlten Büchern versteckt worden seien, erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Donnerstag in Ermittlerkreisen und aus Justizdokumenten.

Die jungen Männer im Alter von 22 und 24 Jahren hätten auf den Briefbomben als Absender den Obersten Geistlichen der griechisch-orthodoxen Kirche, den stellvertretenden Ministerpräsidenten oder das Athener Finanzministerium angegeben, hieß es weiter.

Neben zwei bis ins Ausland gelangten Sendungen wurden weitere zwölf an ausländische Botschaften in Athen geschickt. Am Donnerstag zerstörte die griechische Polizei die 14. Sendung, die an die französische Botschaft adressiert war und auf der als Absender Erzbischof Hieronymos eingetragen war.

Ein Sprecher des französischen Außenministeriums, Bernard Valero, sagte, die Botschaft habe die Annahme des Pakets verweigert. Die Umstände, wie es an die Botschaft gelangt sei, seien sehr verdächtig. Details nannte er nicht.

Den Ermittlern zufolge gehört möglicherweise einer der beiden Verdächtigen einer radikalen Anarchistengruppe an.

Seit Anfang der Woche wurden in Griechenland insgesamt 14 Briefbomben entdeckt, adressiert unter anderem an die deutsche Botschaft und andere diplomatische Vertretungen sowie an Sarkozy. Eins erreichte sogar das Kanzleramt in Berlin und wurde dort von der Poststelle noch rechtzeitig entdeckt.

Eine der beiden vergangene Woche aus dem Jemen nach den USA verschickten Paketbomben wurde nach Angaben der französischen Regierung erst kurz vor der geplanten Detonation entschärft. Es habe sich um ein Zeitfenster von lediglich 17 Minuten gehandelt, sagte Innenminister Brice Hortefeux am Donnerstag in einem Interview des Fernsehsenders France-2.

Die Sprengsätze waren nach US-Angaben mit Mobiltelefonen verbunden und sollten offenbar über die Weck- oder Timerfunktion gezündet werden. Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, bestätigte die Angaben des französischen Innenministers nicht.

Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen und es gebe bislang keine Hinweise, dass es derart knapp gewesen sei. Auch Regierungskreise in Großbritannien, wo eines der Pakete abgefangen wurde, äußerten sich ähnlich.

In Frankreich wurden unterdessen zwei Terrorverdächtige festgenommen, die einen Anschlag geplant haben sollen. Die Brüder wurden Innenminister Hortefeux zufolge am Mittwoch in einem Vorort von Paris aufgegriffen.